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Der Berner bereiste auf Einladung des US-Außenministeriums die Vereinigten Staaten. Weltuntergangsstimmung hat er dort nicht ausgemacht.
Von Hauke Fooken
Frage:
Drei Wochen lang haben Sie die USA bereist. Welche Themen standen bei ihren Gesprächen im Mittelpunkt?
Thümler:
Egal, ob wir in Washington, Miami, Denver, Dallas oder San Francisco waren, oft ging es um die Frage, wie es mit Amerika nach der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten weitergeht. Aber natürlich ging es auch um die Probleme vor Ort – z.B. um den Umgang der Polizei von Miami mit Nachbarschaftskriminalität, die Funktionsweise der Kommunalverwaltung von Denver oder um das Thema Bildung, mit dem wir uns an der Universität in Berkley beschäftigt haben.
Frage:
Die USA befinden sich politisch im Umbruch, wirtschaftlich in einer Krise: Welche Eindrücke haben Sie mit nach Hause genommen?
Thümler:
Viele Amerikaner sind angesichts des bevorstehenden politischen Wechsels sehr euphorisch. Insbesondere, wenn es um die Themenfelder Energie, Umweltschutz und Klimapolitik geht. Eine Obamamanie, wie sie in Deutschland herrschte, gibt es dort aber nicht. Was wohl auch daran liegt, dass Obama sehr viele Mitglieder der alten Clinton-Administration in sein Regierungsteam berufen hat – eigentlich wollten die US–Bürger einen echten Neuanfang erleben. Von den Auswirkungen der Finanzkrise ist das Land stark getroffen: Viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz oder ihre Altersrücklagen – es gibt in den USA ja kein garantiertes staatliches Rentensystem – durch Verluste an der Börse verloren. Aber die Menschen stecken den Kopf nicht in den Sand. Ihr Motto lautet stattdessen: Das Glas ist halb voll – wir arbeiten dafür, dass es wieder bergauf geht.
Frage:
Wie sehen Ihre amerikanischen Gesprächspartner Deutschland? Was erwarten Sie von der Bundesregierung?
Thümler:
Die Amerikaner haben den Eindruck, dass wir uns hinter unserer Geschichte verkriechen. Ganz normale Bürger wie auch hohe Beamte erwarten, dass sich Europa, dass sich insbesondere Deutschland stärker in Afghanistan engagiert. Zudem ist man sehr daran interessiert, dass die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland nach der Bush-Ära wieder besser werden, auch auf wirtschaftspolitischer Ebene. Es besteht ein starkes Interesse an einem Wissensaustausch und persönlichen Begegnungen. Allerdings halten sich die Kenntnisse über Deutschland doch sehr in Grenzen und sind meist auf Süddeutschland beschränkt. Hier sollten wir Norddeutsche mehr tun.
Frage:
Was hat Sie am stärksten beeindruckt?
Thümler:
Dass die Amerikaner trotz der immensen Probleme ihres Landes nicht depressiv wirken. Im Gegenteil: Mehrere Gesprächspartner wunderten sich darüber, dass viele Deutsche, die aufgrund der sicheren Sozialsysteme eigentlich keinen Grund zur Sorge haben müssten, leicht in Resignation verfallen.
Frage:
Wie geht es mit Ihnen und den USA weiter?
Thümler:
Dank der Reise konnte ich viele Kontakte knüpfen. 2009 kommt eine Delegation der deutschen Honorarkonsulen aus den USA nach Niedersachsen, hier kann der jenseits des Atlantiks begonnene Dialog vertieft werden. Bei den Themen „Erneuerbare Energien“ und „Wirtschaftliche Entwicklung“ gibt es Anknüpfungspunkte. Und vielleicht knüpft eine größere Stadt im Oldenburger Land eine Partnerschaft mit einer amerikanischen Stadt.