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Steffen Woitaczak, der Schwager der getöteten Olga K., schildert die Situation in der Familie. Im Verfahren treten der Ehemann der Getöteten, Alexander K. (36), und die Kinder Jannik (9) und Lara (7) als Nebenkläger auf.
Von Rainer Dehmer
Frage:
Herr Woitaczak, sieben Monate nach dem Anschlag beginnt am nächsten Dienstag der Prozess. Wie wirkt sich das auf die Situation in der Familie von Olga K. aus?
Woitaczak:
Es ist jetzt, da es auf den Prozess zugeht, schon eine besondere Situation für die Familie. Jeder macht sich seine eigenen Gedanken. Und die Erinnerungen kommen natürlich wieder hoch. Auf der anderen Seite sind wir aber ganz froh, dass der Prozess beginnt.
Frage:
Der Ehemann von Olga K. tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf. War das eine schwierige Entscheidung?
Woitaczak:
Ja. Da haben wir lange darüber gesprochen. Der Ehemann wollte aber, dass wir in Nebenklage gehen.
Frage:
Wird der Ehemann auch nach Oldenburg ins Landgericht kommen?
Woitaczak:
Nicht nur der Ehemann, auch andere Familienmitglieder werden an einigen Prozesstagen vor Ort anwesend sein.
Frage:
Das dürfte aber eine sehr große Belastung für die Familie werden?
Woitaczak:
Ja, das ist wohl so. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht. Psychisch wird es sicher eine besondere Herausforderung sein, dem Angeklagten im Gericht gegenüber zu treten.
Frage:
Die Verteidigung hat in den vergangenen Monaten mehrfach die Arbeit der Ermittler kritisiert. Wie hat Ihre Familie dies aufgenommen?
Woitaczak:
Uns war klar, dass sich die Verteidigung vor dem Prozess über die Medien im Sinne ihres Mandanten äußern wird. Inhaltlich kann ich dazu nichts sagen.
Frage:
Ist Ihnen bekannt, dass die Verteidiger Morddrohungen erhalten haben sollen?
Woitaczak:
Ja, davon haben wir gehört. Was dahinter steckt, können wir nicht beurteilen. Dass die Sicherheitsvorkehrungen jetzt hochgeschraubt worden sind, ist uns ebenfalls bekannt. Die Anwälte des Angeklagten bekommen wohl auch Personenschutz. Wenn man diesen Fall mit ähnlichen Fällen vergleicht, muss ich sagen, dass ich mit diesem hohen Sicherheitsaufwand für den Prozess nicht gerechnet habe.
Frage:
Wie sieht unabhängig vom bevorstehenden Prozess der Alltag der Hinterbliebenen von Olga K. aus?
Woitaczak:
So weit es geht, ist jeder wieder in seinen Alltag zurückgekehrt. Der Ehemann arbeitet längst wieder, die Kinder gehen auch schon lange wieder zur Schule. Die Kinder werden aber nach wie vor psychologisch betreut.
Frage:
Haben sich die Kinder einigermaßen stabilisiert?
Woitaczak:
Bislang machen sie immer noch einen guten Eindruck. Sie reden auch von der Mama und teilweise auch über den Vorfall. Die Familie ist deshalb momentan ganz positiv gestimmt. Sicherlich ist auch der große Halt in der Familie ein gutes Auffangnetz für die beiden Kinder gewesen. Das intakte Familienumfeld macht sich schon bemerkbar. Die nächsten Tage und Wochen werden aber auch für die Kinder schwer.
Frage:
Wissen die Kinder vom Prozessbeginn?
Woitaczak:
Sie wissen es. Und sie werden sicherlich auch einiges vom Prozess im Fernsehen mitbekommen. Wir haben sie aber auf diese Situation vorbereitet.
Frage:
Spüren Sie auch noch die große Anteilnahme in der Bevölkerung?
Woitaczak:
Ja. Die Anteilnahme ist weiterhin groß. Niemand kann so recht begreifen, was da am Ostersonntag geschehen ist. Man muss jetzt eben sehen, was in den nächsten Wochen passiert. Die Familie hofft auf einen fairen Prozess und auf einen gerechten Ausgang.
Frage:
Glauben Sie, dass die Staatsanwaltschaft mit Nikolai H. den Richtigen angeklagt hat?
Woitaczak:
Meine
persönliche Meinung dazu: Ja. Nach dem Kenntnisstand, den wir auch als Nebenkläger gewonnen haben, sind wir überzeugt, dass der Angeklagte der richtige ist.