• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Habe nicht den Eindruck, dass wir in Deutschland den Anschluss verpassen

29.01.2019
Frage: Frau Holsboer, wie reagiert die Bundesagentur für Arbeit auf den Wandel durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und was tut sie selbst, um Schritt zu halten?
HOLSBOER : Bei uns ist das Thema Digitalisierung kein Selbstzweck. Wir machen Dinge also nicht nur, weil man sie machen kann, sondern nur dann, wenn sie auch wirklich Sinn machen. Sonst läuft man Gefahr, bei dem Thema seinen Spieltrieb auszuleben. Wenn wir Projekte anpacken, dann schauen wir genau, ob die uns am Ende helfen, besser zu werden. Wir spielen nicht mit Digitalisierung, sondern wir automatisieren und digitalisieren Abläufe, die uns helfen, am Markt gut zu sein und noch besser zu werden.

Top-Managerin bereichert Dreiköpfigen Vorstand seit 2017

Valerie Holsboer arbeitet seit April 2017 im dreiköpfigen Vorstand bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Die 42-jährige Juristin ist Chefin von rund 100 000 Mitarbeitern und als Vorstand Ressourcen insbesondere verantwortlich für die beiden Geschäftsbereiche Controlling und Finanzen sowie Personal.

Die verheiratete Mutter einer Tochter wurde 2016 von der Finanzzeitschrift Capital als „Top 40 unter 40“ im Bereich Staat und Gesellschaft ausgezeichnet.

Frage: Kann Digitalisierung eine Chance sein, unbeliebte Berufe attraktiver zu machen und mehr Bewerber anzulocken?
HOLSBOER: Unser Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, dass in den nächsten Jahren durch Digitalisierung ungefähr 1,5 Millionen Jobs, wie wir sie heute kennen, wegfallen. Gleichzeitig werden etwa 1,5 Millionen neue Tätigkeiten entstehen. Ein klassisches Beispiel ist die Tätigkeit einer Steuerfachgehilfin, deren Arbeitsabläufe sich grundlegend verändern werden. Da geht es nicht mehr darum, viele Zettel verschiedenen Posten zuzuordnen, sondern da wird viel gescannt und automatisch erledigt. Gleichzeitig wird der Dienstleistungsgedanke weiter ausgebaut. Viele Berufsfelder verschwinden also nicht völlig, sondern sie bekommen ein neues Gesicht und müssen sich neu etablieren. Schwere körperliche oder auch ermüdende Arbeiten wie die eben genannte Zettelwirtschaft werden künftig nicht ganz wegfallen, aber erleichtert. Das sollte eher als Chance denn als Sorge begriffen werden.
Frage: Reagieren die Unternehmen schnell genug auf den digitalen Wandel?
HOLSBOER : Ich habe nicht den Eindruck, dass wir in Deutschland den Anschluss verpassen. Die Verantwortlichen in den Unternehmen machen sich viele Gedanken darüber, wie sie neue Wege einschlagen und dabei ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen und weiter qualifizieren können. Ich bin froh, dass da nicht an allen Stellen kopflos und effekthaschend was Schnelles gemacht wird. Deutschland ist geprägt vom Mittelstand. Ich glaube, dass dort sehr genau analysiert wird, welcher Schritt sinnvollerweise als nächstes gemacht werden sollte und welcher nicht.
Frage: Welche Unternehmen sind Vorreiter?
HOLSBOER : Da würde ich jetzt gar keine Branche nennen wollen. Grundsätzlich ist es so, dass es kleineren Betrieben und Unternehmen leichter fällt, mal was völlig Neues auszuprobieren. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Ideen aus der Start-up-Szene oder von innovativen Mittelständlern Einzug in große Konzerne halten.
Frage: Wie sind die Voraussetzungen für Digitalisierung in Deutschland – reicht die Infrastruktur etwa im Bereich eines flächendeckenden, schnellen Internetzugangs?
HOLSBOER: Wir sprechen manchmal schon über wahnsinnige Zukunftsvisionen und vergessen, den Nährboden zu schaffen. Da kann ich noch so innovativ unterwegs sein – wenn ich kein schnelles Internet habe, kann ich die Sache vergessen. Ich wäre manchmal froh, wenn die Politik sich mehr auf die Rahmenbedingungen konzentrieren würde und die Innovationen den Unternehmen überlässt.
Frage: Wo steht Deutschland in Sachen Digitalisierung und schnelles Internet? Vergeben Sie ruhig mal eine Schulnote.
HOLSBOER : Ich glaube, wir sind viel besser, als wir uns häufig selber bewerten. Wir sind bestimmt eine 3+, wenn nicht sogar eine 2-.
Frage: Wie haben sich die Anforderungen an junge Menschen, die ins Berufsleben einsteigen möchten, verändert?
HOLSBOER : Momentan verändert sich der komplette Arbeitsmarkt. Das will ich aber nicht als Drohszenario verstanden wissen. Alle, die jetzt ins Arbeitsleben einsteigen, wissen doch eigentlich, dass man nicht einmal etwas lernt und dann macht man den Haken dran. Der schon fast etwas ausgekaute Begriff des lebenslangen Lernens ist so aktuell wie nie zuvor. Ich kann es mir im Berufsleben einfach nicht erlauben, zu sagen, ich bin jetzt fertig und das war’s. Auch von dem etwas romantischen Bild eines Arbeitnehmers, der mal bei einem Arbeitgeber anfängt und dort dann auch in Rente geht, werden wir uns zunehmend verabschieden müssen. Ob jung oder älter – wir müssen ein Leben lang flexibel in der Hüfte bleiben.
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
Rufen Sie mich an:
0511/1612315
Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2042
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.