Schortens - In dem großen Fall von Anlagebetrug der Frankfurter Investmentfirma S+K führen die Spuren auch nach Schortens: Das vor vier Jahren für rund zehn Millionen Euro erbaute und vor einem Jahr für 9,2 Millionen Euro verkaufte Fachmarktzentrum an der Oldenburger Straße haben die vorige Woche verhafteten S+K-Chefs Stephan Schäfer und Jonas Köller mit einem utopischen Verkehrswert von mehr als 18 Millionen Euro in ihren Immobilienfonds hineingedrückt, um gutgläubige Anleger zu täuschen.
Exzessiver Lebenswandel
Der Fall S+K macht seit vorige Woche bundesweit Schlagzeilen. Gegen die beiden Geschäftsführer und weitere Hauptverdächtige ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen bandenmäßigen Betrugs. Schäfer und Köller sollen mit ihrem Firmengeflecht und weiteren Helfershelfern tausende Kleinanleger abgezockt haben, die sie mit hohen Renditen köderten. Unverändert sind sechs von zusammen rund 50 Beschuldigten in Untersuchungshaft. Die Männer werden zu dem von ihnen mutmaßlich installierten betrügerischen Schneeballsystem befragt. Von einer Schadenssumme im hohen dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Von dem Geld der Anleger sollen die Hauptverdächtigen einen exzessiven Lebenswandel mit protzigen Partys und Luxus-Autos geführt haben.
Auf S+K hereingefallen sind auch Jochen Breuer aus Großhansdorf bei Hamburg und sein Geschäftspartner Andreas Marx. Die beiden Investoren hatten das Fachmarktzentrum 2009 für rund 9,7 Millionen Euro erbauen lassen und nach drei Jahren, in denen es immer wieder Schwierigkeiten wegen Leerständen und Sortimentsauflagen der Stadt gab, schließlich Ende 2011 an S+K veräußert (die NWZ berichtete).
Breuer zufolge waren Vorleistungen in Höhe von 1,2 Millionen fällig, darunter 600 000 Euro für den Anbau für das Dänische Bettenlager, die Breuer zufolge auch geflossen sind. Weitere zwei Millionen Euro sollte S+K bis 30. Juni vorigen Jahres zur Ablösung der Finanzierung zahlen. „Doch es passierte gar nichts mehr“, sagt Breuer. Nachdem erste Zweifel am Geschäftsgebaren des S+K-Unternehmensgruppe aufgetaucht waren, forderte die Bank für das Schortenser Fachmarktzentrum zunächst einen höheren Eigenanteil von Schäfer und Köller und nahm schließlich ganz Abstand von weiteren Geschäftsbeziehungen.
Zu hoher Verkehrswert
Der von S+K angegebene Verkehrswert von 18 Millionen Euro und die versprochene Rendite von zwölf Prozent sind fern jeder Realität, sagt Breuer. „Das Objekt ist ein Jahr älter und damit nicht besser geworden.“ Im Moment erwirtschafte das Fachmarktzentrum Schortens, in dem unter anderem ein Sonderpostenmarkt, zwei Textilmärkte, ein Getränkemarkt, Schuhgeschäft, ein Möbel- und Bettenmarkt und ein Markt für Heimtierbedarf angesiedelt sind, einen Mietertrag von rund 725 000 Euro im Jahr.
Breuer und Marx, die durch die dubiosen Machenschaften von S+K viel Geld verloren haben, bemühen sich seit rund einem halben Jahr, das Fachmarktzentrum zurückzukaufen und wieder in geordnete Bahnen lenken.
Nachdem die S+K-Immobilienblase geplatzt ist, soll es bald zur Zwangsversteigerung des Fachmarktzentrums kommen. Breuer und seine Partner stehen zur Übernahme des Objekts auch bei der Zwangsvollstreckung bereit.
