IPWEGE - „Das ist mein Leben: Tiere und Natur“ sagt Willi Martens, zieht sich wetterfeste Kleidung an und macht sich auf den Weg ins Loyermoor. Jeden Tag zweimal. Am Morgen gehen sie in der Regel zu dritt. Dann ist auch Ehefrau Helga mit dabei, weil „Rocky“ sonst keine Ruhe gibt. Am Nachmittag gibt sich der zwölf Jahre alte Berner Sennenhund mit einem Begleiter zufrieden. Vom Heidehof „Arche Noah“, wie das Ehepaar sein fünf Hektar großes Zuhause liebevoll genannt hat, vorbei an knapp fünf Hektar, die der ehemalige Landwirt vor mehreren Jahren an den Naturschutzbund (NABU) verkauft hat und heute noch pflegt.

Weg passierbar gemacht

Bis an die angrenzenden naturbelassenen Flächen der Gemeinde und des Kreises hat der passionierte Tierfreund bereits zum zweiten Mal diesen Winter einen etwas mehr als einen Kilometer langen Gehweg mit seinem alten Trecker planiert. „Der hohe Schnee macht die Sache sonst zu beschwerlich“, erklärt der rüstige 72-Jährige.

Vorbeikommend an der Schutzhütte „Hänsel und Gretel“ öffnet sich so weit das Auge reicht der Blick auf ein idyllisches und überwältigendes Naturareal. Insgesamt betreut und pflegt Willi Martens 40 Hektar. Ein Biotop mit angelegten Teichen und Heideflächen, das er in den vergangenen zwölf Jahren mit vielen Ideen und Arbeitseinsatz bereichert hat . Hierzu gehören die imposante „Wurzelwand“, die seit einem Orkan am Wegesrand aus dem Boden ragt ebenso wie der abgestorbene „Geierbaum“, auf dem „die Bussarde gerne sitzen und übers Feld schauen“. Als Schlangenexperte hat er sich in der Region längst einen Namen gemacht.

Optimaler Lebensraum


Bei den anhaltend winterlichen Wetterverhältnissen ist es für den Natur- und Tierliebhaber, der sich stets um optimalen Lebensraum für die verschiedensten Tiere bemüht, ganz wichtig, dass diese keinen Hunger leiden: „Und im Schnee finden sie kein vernünftiges Futter“. So hat er bei diesem Gang einen Eimer mit Quetschhafer und einen Sack mit Heu dabei. Bei den Futtermengen, die er über die Zeit benötigt, freut Willi Martens sich besonders über Spenden, wie beispielsweise Mühlenabfälle. Insgesamt sieben Futterstellen steuert er an. Seien es die von den Martens auf „Sophie und Karl“ getauften Fasanen, die seit über einem Jahr immer wiederkehren oder auch eine kleine „Heidespitzmaus“.

Willi Martens hat verschiedene geschützte Laubverschläge eingerichtet, die kleinen Nagern bis hin zu Rehen als Futterplatz dienen. So dürfen sich auch in der ehemaligen Melkmaschine, in die er gerne auch alte Brötchen legt, die er einmal pro Woche vom Bäcker besorgt, nun die Mäuse tummeln. In einem mäusearmen Jahr wie diesem hofft er, dass sie sich auf dieser Basis vermehren, „damit die Schlangen, wenn sie aus dem Winterschlaf kommen, Futter haben“.

„Alles will leben“

„Alles will leben“, erklärt er zum Kreislauf der Futterkette. Kurz vor Weihnachten fanden sich sogar so seltene Gäste wie Sikahirsche auf dem wohlbehüteten Territorium ein. Nach eineinhalb Stunden wieder zurück in der guten Stube, genießt er den Blick auf die Terrasse. Rotkehlchen, Spatzen, verschiedene Meisen- und Finkenarten, Zeisige, zwei Spechte und bis zu 40 Drosseln finden sich regelmäßig an dem mit Körnern, Knödeln, Brötchen, Apfel- und Kartoffelschalen üppig bestückten Vogelhaus ein. „Es wird möglichst alles verwertet“, erzählt das Ehepaar Martens. Und fügt, das Fernglas auf der Fensterbank bereit stehend, hinzu: „Was für eine Freude, wenn die Tiere kommen!“