Iserloy - Wenn es nach Sohn Michael geht, dann fährt Vater Herwig Garms mit seinem Oldtimer-Traktor der Marke Ritscher bei der 3. Oldtimer- Juxrallye der Motorsportgemeinschaft Delme-Hunte im ADAC am Sonnabend, 18. August, mit. Nicht ohne Stolz präsentierte Garms seinen gerade frisch lackierten Ritscher im fast schrillen Hellblau. „So war die Farbe damals“, grinste Garms und wunderte sich selbst über die Farbgebung.
Der Oldietrecker ist Baujahr 1949 und hat 22 Pferdestärken. Gekostet hat er damals 8800 Mark. „Mein Opa Johann hat ihn damals bei Händler Bernd Schütte aus Bergedorf gekauft und direkt in Hamburg bezahlt. Mein Vater ist dann von Hamburg losgefahren. Über die Autobahn, soweit es ging, hierher“, beschreibt Herwig Garms die Überführung, wie sie in der Familie erzählt wird. Hinterher fuhren Johann Garms und Händler Bernd Schütte.
Tüftler am Werk
Tatsächlich gab es auf der Autobahn auch gleich einen unfreiwilligen Zwischenstopp. Der Motor ging aus. Die Fehlersuche dauerte und brachte dann eine verstopfte Lüftung im Tankdeckel zu Tage. Kleine Ursache, große Wirkung.
Seitdem schnurrt der Ritscher bis heute. „Der hat hier in der Scheune in Iserloy immer gestanden.“ Nun hat ihn Hermann Hegeler aus Bookhorn bei Ganderkesee wieder aufgearbeitet. „Er ist schon 86 Jahre alt und Junggeselle. Ohne Trecker läuft bei ihm gar nichts. Das ist sein Leben“, schilderte Garms die Arbeit des rüstigen Rentners. Sein Motto: „Geld brauche ich nicht, ich brauche Arbeit.“ In seinem Besitz befinden sich zehn bis zwölf Traktoren.
Nun kann sich der alte Ritscher-Traktor auf dem Garms- Hof in Iserloy wieder sehen lassen. Beim Betrachten des Schleppers fällt sofort die eigenwillige Ausführung der Lenkung auf. Auf dem Hof Garms war der Traktor später vor allem im Holz im Einsatz. Dann schlummerte er in der Scheunenecke bis jetzt. „Da hatten wir auch eine Kabine aus Holz drauf. Die Tuchverdecke aus Kunststoff hielten nicht, wenn Zweige dagegen schlugen“, begründete Garms die Entscheidung zur Holzkabine. Gerade im Wald wurde eine solide Konstruktion benötigt.
Für Ausfahrten gedacht
Mit dem frisch restaurierten Ritscher will sich Herwig Garms in der Freizeit nun immer mal wieder frischen Wind um die Nase wehen lassen und gemächlich über die Straßen der Region tuckern. Nur in der Ecke stehen lassen, das wollte der Iserloyer den Traktor nicht mehr. Deswegen erweckte er seinen Oldie zu neuem Leben in frischer Farbe.
Die Moorburger Treckerwerke GmbH mit Sitz in Hamburg Moorburg firmierte später in die Karl Ritscher GmbH um. Ritscher verkaufte die Firma mit dem Nachlassen des Schlepperbooms 1961 an die Berliner Maschinenbau AG. Gefertigt wurden Ketten-, Dreirad- und Vierradschlepper sowie Geräteträger.
Der erste von Ritscher gebaute Vierradschlepper war 1941 der Typ 204 mit einem 22/24 PS Deutzmotor. Nach Kriegsende entwickelte Ritscher über 20 neue Modelle mit verschiedenen Motorleistungen und Aggregaten der Motorenwerke Mannheim.
