Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel setzt auf die Initialwirkung des Jade-Weser-Ports (JWP). Er soll junge Menschen in der Region halten und neue Bürger anziehen.
Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
Von Stephan Giesers
Frage:
Herr Oberbürgermeister, mit der Vergabe der Betreiberlizenz ist der Startschuss zum Jade-Weser-Port gefallen. Welche Arbeit kommt nun auf Wilhelmshaven zu?
Menzel:
Gestern war für mich der vorletzte Schritt in der Planung und ein ganz wichtiger Tag in der Geschichte des JWP. Jetzt steht die Planfeststellung im Juni/Juli bevor. Das ist für uns als Stadt der Startschuss für die öffentliche Bauleitplanung. Die Entscheidung für Eurogate als Betreiber war wichtig, um erste Gespräche führen zu können. Ich rechne deshalb fest für Ende diesen Jahres oder Anfang 2007 mit dem Baubeginn.
Frage:
Kommt jetzt der lang ersehnte Aufschwung?
Menzel:
Der JWP bringt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung für die ganze Region. Die Betrachtung der Küstenregion wird eine andere sein. Gerade in Süddeutschland hat man uns immer etwas mitleidig betrachtet. Ich habe immer gesagt, dass der JWP eine Initialzündung geben wird – gemeinsam mit den Investitionen an der Jade im Bereich Chemie, Raffinerie und Flüssigerdgasterminal. Diese Projekte haben absolute Priorität. Dafür werden wir die Stadtverwaltung gerade im Baubereich, wenn nötig, auch personell aufstocken. Die Nachfrage nach freien Flächen in Wilhelmshaven verdichtet sich.
Frage:
Kann der JWP Neubürger in die Jadestadt locken?
Menzel:
Wir werden mit dem JWP nicht alle Probleme beseitigen können und müssen auch weiter um jeden anderen Arbeitsplatz kämpfen. Nicht nur die große Industrie wird es richten. Für uns zählt auch der Mittelstand. Wir setzten darauf, dass sich auch Zulieferer, Logistikbetriebe und Dienstleister rund um die großen Investitionen ansiedeln werden. So können wir Arbeitsplätze generieren und auch die jungen Menschen in der Region halten. Die Großinvestitionen sind für mich eine Chance, um den Bevölkerungsrückgang und die Überalterung in Wilhelmshaven zu stoppen.
Frage:
Welche Arbeitsstellen werden entstehen?
Menzel:
Das werden Arbeitsplätze aus allen Bereichen sein. Ich bin deshalb dankbar für die Aussage von „Eurogate“, die Großzahl der Stellen mit Menschen aus der Region Wilhelmshaven-Friesland besetzen zu wollen. Auch die Handwerksbetriebe und mittelständischen Unternehmen aus Wilhelmshaven müssen dabei einbezogen werden.
Frage:
Wieviel Mehreinnahmen erwarten Sie?
Menzel:
Mit Schätzungen bin ich vorsichtig. Aber bei einer Investitionssumme von fünf bis sechs Milliarden Euro kann man durchaus mit tausend neuen Arbeitsplätzen rechnen. Offiziell sollen insgesamt 2000 neue Stellen entstehen. Diese Investitionen werden Wilhelmshaven auf lange Sicht auch Mehreinnahmen bringen.
Frage:
Hamburgs Wirtschaftsminister Gunnar Uldall hat die Bedeutung des JWP heruntergespielt. Besteht die Gefahr einer Konkurrenz?
MenzeL:
Der JWP will anderen Häfen nichts wegnehmen. Er ist Deutschlands Antwort auf die Globalisierung des Containertransportes mit erheblichen Zuwachsraten. Wenn es den JWP nicht gibt, würden wir diese Verkehre verlieren.