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Schafzüchterin In Jaderkreuzmoor „Die Wolfsrisse haben mein Leben verändert“

Jaderkreuzmoor - Ina Martens aus Jaderkreuzmoor hält seit 1991 Schafe und züchtet seit 2005 ganz gezielt und sehr erfolgreich weißköpfige Fleischschafe – eine beinahe aussterbende Rasse. In Jaderkreuzmoor hält sie 40 Mutterschafe und vier Böcke. Und in ihrem Stall an der Kreuzmoorstraße kann man derzeit 20 Lämmer beobachten, die erst wenige Wochen alt sind. Süß anzuschauen sind die kleinen Vierbeiner, die immer wieder zur Mutter streben, um den steten Durst zu stillen.

Trotz dieser idyllischen Bilder wird Ina Martens den 22. September 2017 in ihrem Leben wohl nie vergessen. Sie hat an diesem Tag drei Tiere verloren. „Eine Deckgruppe ihrer weißköpfigen Fleischschafe stand zu dieser Zeit auf einer Moorweide, als der Wolf zum ersten Mal in der Wesermarsch zuschlug. Ina Martens erinnert sich: „Nach dem Vorfall haben wir Kehlbisse festgestellt. Die Tiere wurden von hinten ausgehöhlt. Die Gruppe, die wir danach in den Stall brachten, war wie betäubt. Sie hat erstmals nicht mehr gefressen.“

Zeitnah wurde im benachbarten Hahnermoor (Ammerland) ein neun Monate altes Kalb gerissen, ebenfalls vom Wolf. Auf dem Hof Idema in Jade waren 19 tote Schafe zu beklagen, die der Wolf auf dem Gewissen hat. „Wir züchten Texeler Schafe, und der Vorfall vom 24. September hat uns echt schockiert. Wir haben inzwischen die Zahl der Muttertiere von 150 auf 30 zurückgeschraubt“, sagten Marjan und Werner Idema schon damals im NWZ-Gespräch.

„Die Wolfsrisse haben mein Leben verändert“, sagt Ina Martens an einem nasskalten Dezembernachmittag im Gespräch mit der NWZ.

„Die Wolfsrisse waren ein echter Schock. Meine Schafe waren die ersten Opfer des Wolfes in der Wesermarsch. Und bis zur Entschädigung war es ein sehr langer Weg und ein riesiger Aufwand“, sagt die 49-Jährige.


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Ina Martens kann sich an die Zeit unmittelbar nach den Wolfsrissen noch gut erinnern. Zunächst war noch unklar, ob es tatsächlich ein Wolf war. Die Auswertung der DNA-Proben musste noch abgewartet werden.

Zunächst erhielt Ina Martens kostenfrei 90 Zentimeter hohe Notfallzäune. „Ich weiß noch ganz genau, dass ich sie damals bei Eisregen aufgestellt habe. Eine ziemliche Plackerei. Die Zäune reichen für einen Hektar und müssen alle zwei Wochen umgesteckt werden, weil die Fläche dann abgefressen ist.“

Erst zwei Monate nach den Schafsrissen stand eindeutig fest, dass tatsächlich ein Wolf zugeschlagen hatte. Der Wolf also war bis in die Wesermarsch vorgedrungen – weitere Schutzmaßnahmen wurden notwendig.

„Ende April kamen die neuen 1,08 Meter hohen Schutzzäune, die mit mindestens 3000 Volt gesichert werden müssen“, erklärt Ina Martens. Und das Aufstellen bedeute jede Menge Mehrarbeit und Zeit. Und beim Stecken der Zäune sind bei Ina Martens schon häufig Rückenbeschwerden aufgetreten – bis hin zum drohenden Bandscheibenvorfall.

Rund 10 000 Euro hat die vierfache Mutter in Zäune und Gerätschaften investieren müssen. 80 Prozent der Kosten übernimmt davon das Land Niedersachsen. „Beruflich bin ich als Vermessungstechnikerin eingespannt. Die Schafzucht ist nur ein Hobby von mir. Aber mein Mann passt auf, dass das Hobby nicht in die roten Zahlen gerät“, sagt Ina Martens. Für das Kilo Lammfleisch zahlt der Schlachter derzeit 4,80 Euro, das sei ein ziemlich schlechter Preis. Bleibt zu hoffen, dass zumindest zwischen den Jahren ein bisschen Ruhe und Besinnlichkeit in Jaderkreuzmoor einkehren kann.

Nutztierrisse und ihre Verursacher in Niedersachsen

Hans-Carl Bokelmann
Hans-Carl Bokelmann Redaktion Brake, Redaktion Jade, Redaktion Ovelgönne
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