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Klönabend Jäger befürchten lebensfeindliche Einöden

Jens Milde

Abbehausen - Der Hasenbestand ist einer von vielen Indikatoren dafür, wie sich die Natur verändert. Wurden in der Wesermarsch in der Jagdzeit 2005/2006 noch 10 000 Hasen zur Strecke gebracht, so waren es 2011/2012 gerade einmal 3000. „Krankheiten haben den Bestand reduziert“, erzählte Kreisjägermeister Eckard Busch jetzt den Besuchern beim Klönabend des Rüstringer Heimatbundes im Butjadinger Tor. Aber eine große Rolle für den Rückgang der Hasenpopulation spielen aus seiner Sicht auch die Veränderungen in der Landwirtschaft.

„Die Jagd im Wandel der Zeit“ lautete das Thema, zu dem Eckard Busch und der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Bernhard Martens, vor rund 40 Besuchern referierten. Eckard Busch ging ganz zurück an den Anfang. „Bis ins 7. Jahrhundert durfte jeder immer und überall auf die Jagd gehen. Die Jagd diente dem Überleben.“

Hochwild für den Adel

Ab dem 7. Jahrhundert gewann die gesellschaftliche Jagd in Adelskreisen immer an Bedeutung. Der Begriff Hochwild hat nichts mit der Größe der Tiere zu tun. Zum Hochwild gehörten die Tiere, deren Bejagung dem Hochadel vorbehalten war. Ab dem 15. Jahrhundert beanspruchten die Landesfürsten das Jagdrecht für sich. Mit der Revolution von 1848 wurde das Jagdrecht an den Besitz von Grund und Boden gebunden. „Und so ist es auch heute noch“, sagte Eckard Busch.

Nach den Worten des Kreisjägermeisters hat sich die Natur verändert, der Artenreichtum sich stark reduziert. Eckard Busch führt dies in erster Linie auf die Intensivierung der Landwirtschaft zurück.

Als Beispiel nannte er den Bau von Biogasanlagen, „der uns sehr zu schaffen macht“. Biogasanlagen benötigten große landwirtschaftliche Flächen. In der Folge fehlten immer mehr Ruhezonen für das Wild. „Dabei sind wir mit elf Biogasanlagen in der Wesermarsch noch gut bedient.“ Eckard Busch sagte, im Jahre 1973 gab es 50 000 Hektar Maisanbauflächen in Niedersachsen, heute sind es über 600 000 Hektar.


Wie Eckard Busch mitteilte, hat der Wandel in der Landwirtschaft zu einer Verschlechterung der Biotope geführt. Es entstünden immer mehr lebensfeindliche Einöden.

Im ganzen Oldenburger Land seien die Hasenstrecken in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Kaninchen seien in der Wesermarsch nur noch in wenigen Teilbereichen ansässig. Es werde vier- bis fünfmal im Jahr gemäht, manchmal bis an die Grabenkanten. Dadurch würden viele Vogelgelege zerstört.

Bernhard Martens nannte beim Klönabend einige Zahlen zur Jägerschaft Wesermarsch. Ihr gehören insgesamt 700 Mitglieder an, von denen 60 Frauen sind. Unterteilt ist die Kreisjägerschaft in acht Hegeringe, die sich um 82 000 Hektar Land kümmern.

„Anwalt der Natur“

Der Vorsitzende betonte, dass die Jäger die frei lebende Tierwelt fördern und schützen. „Die Jäger sind der schützende Anwalt der Natur. Sie erhalten einen artenreichen und gesunden Wildtierbestand.“ Es werde nur so viel bejagt, wie der Tierbestand aus eigener Kraft wieder ausgleichen kann. Der Naturschutz stehe für die Jäger im Vordergrund.

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