Schlutter - Der Wolf wird kommen, davon ist die Jägerschaft überzeugt. Es sei nur eine Frage der Zeit, meint etwa Jan-Bernd Meyerholz, Vorsitzender des Hegerings Ganderkesee, bis sich im Landkreis Oldenburg ein erstes Rudel angesiedelt hat.

Davon geht auch Helmut Dammann-Tamke aus. Der Vorsitzende der Landesjägerschaft Niedersachsen war am Donnerstagabend zu Gast bei der Jahreshauptversammlung des Hegerings im Gasthof „Zur Eiche“ in Schlutter und beschrieb die rasante Ausbreitung der Wölfe im Lande – durchaus launig: „Ich hätte 2010 in ein Wettbüro gehen und auf diese Entwicklung wetten sollen“, sagte Dammann-Tamke, „dann wäre ich heute Millionär.“

Hegering ehrt langjährige und verdiente Mitglieder

Langjährige Mitglieder des Hegerings Ganderkesee wurden auf der Jahreshauptversammlung in Schlutter geehrt: Seit 25 Jahren dabei sind Dierk Schwarting, Wolfgang Busch, Bernd Kossen und Kurt Schröer. Für 40-jährige Mitgliedschaft wurde Jan-Bernd Meyerholz ausgezeichnet, und auf stolze 50 Jahre im Hegering bringt es Johann Garms.

Besondere Verdienste erworben haben sich Wolfgang Köhler und Klaus Brüggemann, die das Verdienstabzeichen in Bronze erhielten, sowie die Jagdhornbläser Gerold Haverkamp und Magnus Denker, für die es das Abzeichen in Gold gab. Schließlich wurde noch Jürgen Busch zum Ehrenmitglied ernannt.

Die Dynamik, mit der die Art sich verbreitet, überrascht aber selbst die Jäger. „Die Wolfspopulation wächst bei uns jedes Jahr um 30 Prozent“, so der Landesvorsitzende, „das heißt, alle drei Jahre haben wir fast eine Verdoppelung der Population.“ Die Jäger in Niedersachsen beobachten die Entwicklung seit 2012 genau: Im Rahmen des Wolf-Monitorings sammeln sie Zahlen, Daten und Fakten. „Der Wolf kommt mit unserer Kulturlandschaft bestens zurecht“, weiß Dammann-Tamke. Selbst in waldarmen Gebieten, etwa im Raum Cuxhaven, sei er schon heimisch geworden. „Es muss uns gelingen, eine vernünftige Balance zu finden“, betonte der Landesvorsitzende. So lange der Wolf vom Menschen und dessen Nutztieren fernzuhalten sei, könne das gelingen.

Angesichts der weiter steigenden Population sei aber die Politik gefordert, über Möglichkeiten der Regulierung zu entscheiden, mahnte Dammann-Tamke. Die Jägerschaft sieht er vorerst weiter in der Beobachterrolle. Sie werde nicht darauf drängen, dass der Wolf nach dem Jagdrecht bejagt werden darf – denn damit entstünden auch Pflichten, beispielsweise zur Entschädigung, die man nicht den Jägern auflasten dürfe.

Der Wolf war aber nicht das einzige Tier, mit dem der Hegering sich auf seiner Versammlung intensiv befasste. Es ging auch um den Fasan, dessen Vorkommen in der Region stark rückläufig ist. Im Landkreis gibt es zwar eine große Zucht in Dünsen, aus der alljährlich Tiere ausgewildert werden. „Aber nur gut die Hälfte kommt durch“, weiß Jan-Bernd Meyerholz. Die Jäger denken nun über eine Sommerfütterung der Fasane nach, um die Vögel vor dem Winter zu stärken.

Ausdrücklich wies Meyerholz noch einmal auf das Blühstreifenprogramm hin: Wer Flächen zur Verfügung habe, möge daran teilnehmen, bat er. Landkreisweit stehen zurzeit 150 Hektar an Blühstreifen zur Verfügung, in der Gemeinde Ganderkesee sind es 15 Hektar. Meyerholz appellierte an die Mitglieder, mit der Mahd möglichst bis August zu warten, damit insbesondere Fasan- und Rebhuhnküken lange genug Deckung haben.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)