Emden - Frank Fischer (53) hat von seinem Schreibtisch oben in der Zentrale einen schönen Blick nach links, über das Emder VW-Werk. Aber meistens schaut er direkt nach vorn, auf einen großen Standbildschirm vor der Wand – mit allerlei Charts und Farben, die die Autoproduktion abbilden. „Hier habe ich die großen Prozesslinien alle im Blick“, sagt der Ingenieur und Betriebswirt (MBA) Fischer.

Die angezeigten Werte wurden in den vergangenen Monaten immer besser. Bei 1000 Autos pro Tag ist die Produktion angelangt.

2014 wurden insgesamt mehr als 225 000 Autos in Emden gebaut– etwa 16 000 mehr als im produktionstechnisch viel einfacheren Jahr 2013, darauf ist man stolz. „Letztes Jahr war extrem anspruchsvoll“, fasst Fischer die Anstrengungen der Emder Belegschaft zusammen.

Denn Ende August 2014 war die Produktion des neuen Passat-Modells („B 8“) für die Kundenbelieferung gestartet worden. Zugleich wurde (bis Ende November) die Produktion des alten Modells allmählich heruntergefahren – alles im ersten Jahr von Fischer an der Werksspitze.

Erst im April war der gebürtige Düsseldorfer in Emden angetreten, nachdem er zuvor das VW-Werk in Chattanooga (USA) hochgefahren hatte. Doch die Aufgabe mit dem neuem Emder Passat sei durchaus noch „komplexer“ als in den USA, gesteht er, nun schon etwas entspannter nach dem – trotz einiger Probleme – „erfolgreichen Anlauf“. Und noch ist diese Phase nicht ganz abgeschlossen.

Volkswagen und Fischer wollen mehr. Aus den 1000 Autos pro Tag sollen 1250 werden. „Die letzten 20 Prozent sind immer die schwierigsten“, weiß Fischer aus Erfahrung. Das erfordere „eine Reihe von Maßnahmen“.


Von allen Beteiligten wird mehr gefordert. Betriebsratsvorsitzender Peter Jacobs ist „froh“ über den gelungenen Start des neuen Modells mit entsprechend „massiven Herausforderungen“. Er mahnt für die gut 9600 Beschäftigten nun langfristige Planungen für die eventuell nötige Mehrarbeit an Wochenende an. Der Betriebsrat schwärmt ansonsten von Dialog-Prinzipien zwischen Vorständen und Betriebsräten bei VW und vom stabilisierenden Effekt der Arbeitszeitkonten. Die seien im Loch zwischen dem Herunterfahren des alten Passat und Hochfahren des neuen erst ins Minus gerutscht, kämen nun aber zügig ins Plus. So sei man flexibel. Wichtig sei auch, Mitarbeiter weiterzuentwickeln. betont Jacobs mit Blick auf neue Technik.

Die Anlagen in Emden wurde mit hohen Millionen-Investitionen kräftig modernisiert. Der Karosseriebau für den neuen Passat etwa habe „eine komplett neue Halle“, schwärmt Fertigungsleiter Werner Leissing. Das sei „unser ganzer Stolz“. An den einzelnen Arbeitsstationen werden jeweils bis zu 15 (der insgesamt über 1000) Roboter tätig. Limousine und Variant des Passat können an den neuen Anlagen flexibel in beliebiger Reihenfolge montiert werden, ohne aus der Taktzeit zu kommen und mit Teilen aus dem Konzern-„Querbaukasten“ für viele Modelle.

Auch das Logistikzentrum ist neu, ebenso die Presswerk-Erweiterung und vieles beim Trainings- und Technikzentrum.

Und nebenan ist der „Zuliefererpark“ stark gewachsen, freut sich Werksleiter Fischer. „Just in time“ würden so verschiedenste Teile – bis hin zu Bodenteppichen oder Abgasanlagen – ans Band geliefert werden, erläutert er. Fischer, der vor seiner USA-Mission bis 2005 schon Fertigungsleiter in Emden war und nun mit seiner Frau hier wohnt, will sich für weitere Ansiedlungen von Zulieferern engagieren.

Sobald der Manager, blaue VW-Jacke über weißem Hemd mit roter Krawatte, denn den Kopf frei hat und die Passat-Produktion und alles drumherum ganz so läuft, wie er es sich vorstellt: Spitzenqualität, immer höhere Stückzahl und die Kosten im Blick.

Für 2015 ist das Auftragsbuch voll, heißt es. Einige Zehntausend Autos mehr als 2014 könnten produziert werden. Mancher hält das Hoch aus 2011 – 266 000 – für wieder reichbar. Sogar ein Zielwert 280 000 ist schon zu hören.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)