Nordenham - Daniel El Khatib möchte niemanden missionieren, auch nicht in der eigenen Familie. Das ist ihm wichtig. Aber er hätte nichts dagegen, wenn sich andere seiner Lebensweise anschließen. Seit vier Jahren verzichtet der Nordenhamer auf alle tierischen Produkte. Er ist Veganer. Und deshalb ist für ihn der 1. November ein ganz besonderer Tag. Am Sonntag ist Weltvegantag.
Daniel El Khatib ist 33 Jahre alt. Fleisch und andere tierische Produkte wie Milch, Eier und Käse haben auf seinem Speiseplan nichts zu suchen. Aus gesundheitlichen und aus ethischen Gründen hat er sich für diese Lebensweise entschieden. „Jeder Mensch isst durchschnittlich 1050 Tiere in seinem Leben“, sagt er. „945 Hühner, 46 Puten, 46 Schweine, 37 Enten, 12 Gänse, 4 Schafe und 4 Rinder“, zitiert Daniel El Khatib aus einer Statistik. Der Nordenhamer wollte da nicht mehr mitmachen.
Zuerst ist er zum Vegetarier geworden. „Das ist mir nicht leicht gefallen“, erinnert er sich. Es gab immer wieder Rückfälle. Die Umstellung auf vegetarischer auf vegane Kost klappte relativ reibungslos.
Seine Frau Malwina lebt inzwischen vegetarisch. Als ihr Sohn Ilian acht Monat alt war, hat sie sich dazu entschlossen – ebenfalls aus ethischen Gründen. „Ich hab das von einem Tag auf den anderen gemacht“, sagt die 30-Jährige, „und die Umstellung ist mir leicht gefallen.“
Der inzwischen zweijährige Ilian und die achtjährige Manel dürfen essen, was sie wollen. Den Eltern ist es wichtig, dass die Kinder selbst entscheiden können. Malens Lieblingsgericht ist Spaghetti Bolognese. Hin und wieder denkt sie darüber nach, ob es nicht besser wäre, auf Fleisch zu verzichten. Aber wenn Mama die leckere Hackfleischsoße für die Nudeln kocht, dann ist es schwer zu widerstehen. Und dann ist da noch Shelly. Die Shih-Tzu-Malteser-Hündin bekommt Trockenfutter aus Fleisch. „Es gibt auch vegetarisches Hundefutter“, sagt Daniel El Khatib. Aber irgendwann ist das auch eine Kostenfrage.“
Die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten machen das Kochen zur logistischen Herausforderung. Da isst einer vegan, einer vegetarisch, die Kinder ganz normal. Gar nicht so einfach. Aber bei den El Khatibs hat sich das inzwischen eingespielt.
Der Familienvater ist froh, dass in den Lebensmittelgeschäften immer mehr vegane Produkte angeboten werden. Ein Experiment hat der Nordenhamer aber inzwischen abgebrochen. Im Juni hatte er damit begonnen, den Rohkost-Anteil, also Lebensmittel, die in keiner Weise bearbeitet sind, in seiner Ernährung auf 70 Prozent hochzuschrauben und gleichzeitig dreimal in der Woche zu trainieren, um Muskeln aufzubauen.
Er wollte beweisen, dass sich diese spezielle Form der veganen Ernährung und ein durchtrainierter Körper nicht ausschließen. Über seine Erfahrungen hat er auf seiner Facebook-Seite berichtet. Inzwischen hat er das Experiment abgebrochen. „Anfangs klappte es ganz gut, aber ich habe dann immer öfter Bauch- und Kopfschmerzen bekommen. Dabei waren die Blutwerte völlig in Ordnung.“
Inzwischen ist der 33-Jährige wieder zu seiner gewohnten veganen Lebensweise zurückgekehrt. Natürlich hat er aufmerksam die jüngsten Nachrichten über Studien verfolgt, die belegen sollen, dass zu viel Fleisch krebserregend ist.
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„Mich hat diese Nachricht in meiner Überzeugung gestärkt“, sagt Daniel El Khatib. Er gehe aber nicht davon aus, dass sich an den Ernährungsgewohnheiten in der Gesellschaft allzu viel ändern wird. „Da wird wohl ein Verdrängungsmechanismus greifen, und in ein paar Wochen ist alles wieder vergessen.“
