Wiefelstede - Der Landfrauenverband Weser-Ems hatte seine Mitglieder zu einem Vortrag „Die Wirtschaftskraft der Landwirtschaft in Weser-Ems“ in die Gaststätte Rabe in Wiefelstede eingeladen. Rund 60 Frauen folgten den Ausführungen von Dr. Vinzenz Bauer, Fachreferent für den Geschäftsbereich Landwirtschaft, Betriebswirtschaft, Markt und Unternehmensberatung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die anschließende Diskussion zeigte großes Interesse am Thema. „Die Wirtschaft in Weser-Ems hat in den letzten Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Einen großen Anteil daran hat auch die Land- und Ernährungswirtschaft“, so Bauer.
Der Referent machte deutlich, dass die einzelnen Sparten der Landwirtschaft in Niedersachsen sich relativ klar aufteilen: In Ostfriesland/Friesland werde hauptsächlich Milchwirtschaft betrieben. Große Molkereien verarbeiteten die Milch und vermarkteten sie vollständig – von Käse über Molke, Molkepulver bis hin zu Babypulver und Pharma-Laktose. Ein starker Wirtschaftszweig in Südoldenburg und dem Emsland sei die Veredelungswirtschaft. Die Wertschöpfungskette reiche dort von der Fleischerzeugung und Mischfutterherstellung bis hin zur Schlachtung, Fleischverarbeitung, zum Stallbau sowie zum Herdenmanagement. Der Großraum Hannover/Braunschweig setze auf Fruchtanbau, hauptsächlich Getreide und Zuckerrüben. Ein flächenmäßig kleiner aber wichtiger „Exot“ sei das Gebiet um Osnabrück. Hier seien große Firmen ansässig, die Agrartechnik produzieren.
Im Weser-Ems Gebiet werden 60 Prozent der Flächen landwirtschaftlich in der Regel von Familienbetrieben genutzt, sagte Bauer. Jedes fünfte Schwein, jedes vierte Ei und jedes zweite Masthähnchen oder jede zweite Mastpute, die in Deutschland verbraucht werden, wird in Weser-Ems erzeugt. Damit beschäftigt sind 52 200 Menschen in rund 26 000 Betrieben mit mehr als zwei Hektar Größe.
Große Erwartungen werden in das Niedersächsische Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft (NieKE) als Landesinitiative gesteckt. NieKE bündelt für ganz Niedersachsen Kompetenz und Know-how in allen Bereichen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Dazu gehören Produktion, Vermarktung und Vertrieb, Wissenschaft, Bildung, die Finanzierungsbranche und öffentliche Verwaltung. Die Landwirte in Weser-Ems wollen sich in Zukunft wesentlich mehr um das Tierwohl kümmern. „Wir wollen qualitatives Wachstum in lebenswerten Dörfern und nicht Wachstum um jeden Preis“, kam es aus den Reihen der Zuhörerinnen.
Bauer gab auch einen kurzen historischen Rückblick. Ernährte um 1900 ein Bauer lediglich vier Menschen, so „macht er heute rund 130 Menschen satt“, sagt die Statistik der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer. Gab es 1949 noch 1,6 Millionen Betriebe in Deutschland, so sind es heute nur noch rund 290 000. „Diese Zahl stagniert aber seit einigen Jahren und wird sich wohl nicht mehr sehr verändern“, hofft Bauer.
