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HAUSWIRTSCHAFT Alltagskompetenz schlechthin

JEMGUM/LOCCUM - Die lange Ausbildungszeit schreckt potenzielle Kandidatinnen womöglich ab. Doch wer es geschafft hat, wird nicht schlecht bezahlt.

Von Thomas Hellmold

JEMGUM/LOCCUM - Noch ist das Interesse an der Ausbildung groß. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass Dorfhelferinnen künftig Mangelware sein werden. Der Grund: Immer weniger junge Frauen sind offenbar bereit, Hauswirtschaft zu lernen. Eine abgeschlossene dreijährige Hauswirtschaftsausbildung sowie ein Jahr Berufspraxis sind aber Voraussetzung, um ein weiteres Jahr lang zur Dorfhelferin fortgebildet werden zu können. „Hauswirtschaft hat gesellschaftlich keinen guten Ruf – leider“, sagt Gabriele Lübke-Beimdiek, Geschäftsführerin des Evangelischen Dorfhelferinnenwerks Niedersachsen, das in Loccum Frauen (und durchaus auch Männer, wenn sie denn wollten) für den speziellen „Feuerwehreinsatz“ bei Familien besonders im ländlichen Raum fit macht.

Zurzeit sind landesweit 154 fest angestellte Dorfhelferinnen im Einsatz, 64 von ihnen im Bezirk Weser-Ems. Sie springen ein, wenn in Familien Hausfrau oder -mann erkrankt sind, einen Unfall hatten, zur Kur müssen oder die Hausfrau ein Kind bekommen hat und im Haushalt Kinder zu versorgen sind. Nach Angaben des Dorfhelferinnenwerks hat die zunehmende Anzahl von „Ein-Eltern-Familien“ in letzter Zeit aber dazu geführt, dass die häusliche Hilfe auch im städtischen Umfeld nachgefragt wird.

Ob genügend Dorfhelferinnen auch weiterhin in Familien aushelfen können, hängt vom beruflichen Nachwuchs ab. „Im Moment hangeln wir uns durch“, sagt Lübke-Beimdiek. Das laufende Fortbildungsseminar wird von elf Teilnehmerinnen besucht; im Jahr zuvor waren es gerade mal sechs. Womöglich schreckt die insgesamt fünfjährige Ausbildung potenzielle Dorfhelferinnen ab. So fragt sich die Vizepräsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes und Vorsitzende des Landfrauenverbandes Weser-Ems, Frieda Hensmann (Jemgum), „wie weit junge Frauen bereit sind, eine so lange Ausbildung auf sich zu nehmen“. An deren Qualität hat Hensmann freilich keine Zweifel: Wer erst einmal zur Dorfhelferin ausgebildet worden ist, der sei hochqualifiziert. Und er wird nicht schlecht bezahlt. Das Einstiegsgehalt einer Dorfhelferin liegt nach Angaben von Lübke-Beimdiek je nach Alter und Familienstand zwischen 2000 und 2700 Euro brutto.

Bleibt die Frage nach dem Stellenwert der Hauswirtschaft, um deren Imageverbesserung der Landfrauenverband bemüht ist. Frieda Hensmann weiß die Antwort: „Hauswirtschaft ist Alltagskompetenz schlechthin“.


Die Ausbildung ist förderungswürdig

• Seit mehr als 50 Jahren

existiert in Deutschland der Beruf der Dorfhelferin. Ziel der Dorfhelferinnen ist es, Familien zu helfen, wenn sie in akute Notlage geraten sind, weil die haushaltführende Person ausfällt.•

Die Ausbildung

wird vom Evangelischen Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen (Hannover) koordiniert. Geschäftsführerin ist Gabriele Lübke-Beimdiek. Das Werk ist eine diakonische Einrichtung und wird von den Landeskirchen Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe sowie der Reformierten Kirche unterhalten.•

Die Fortbildung

zur Dorfhelferin erfolgt in einem 14-monatigen Seminar in Loccum. Der nächste Kurs beginnt am 19. September 2005.•

Die Kosten

für den Kurs betragen 268 Euro pro Monat. Eine Förderung ist nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAFöG) und nach den Weiterbildungsrichtlinien der Agentur für Arbeit möglich. Die Fortbildungsstätte wird vom Landwirtschaftsministerium finanziell unterstützt.•

Kontakt:

Evangelisches Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen e. V., Knochenhauerstr. 33, 30159 Hannover, 05 11/12 41-5 39.

Informationen auch unter www.dhw-nds.de

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