• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Jetzt die Initialzündung auslösen

17.09.2011

WILHELMSHAVEN Detlef Breitzke ist häufig unterwegs und eigentlich „nie im Büro“, wie er selbst sagt. Hier eine Besprechung in Hamburg, Hannover oder sonst wo, dort ein Vortrag bei einer regionalen Bank, dann ein Gespräch mit potenziellen Investoren. Das Thema ist meist das Gleiche: der Jade-Weser-Port und die daraus erwachsenden Möglichkeiten in der ganzen Region drum herum. Breitzke ist Geschäftsführer der Jade-Bay GmbH Entwicklungsgesellschaft in Wilhelmshaven. Sie ist für die Jadestadt und die umliegenden Kreise Friesland, Wittmund und Wesermarsch tätig, soll im In- und Ausland Standort- und Regionalmarketing betreiben, Netzwerke bilden und Instrumente zur Fachkräfterekrutierung entwickeln. „Ein völlig neues Projekt und eine völlig neue Dynamik“, sagt er begeistert über die Chancen im Umfeld des neuen Containerhafens.

Was den gebürtigen Friedeburger (Kreis Wittmund) umtreibt: Der Jade-Weser-Port wird im August 2012 in Betrieb genommen, und er sieht vom Fenster aus die angelandete Fracht einfach nur durchreisen, ohne lokale Wertschöpfung. Sein Ziel: Etwas davon in der Region zu halten, Ansiedlungen hinzubekommen, und zwar nicht nur unmittelbar am Hafen. Der Jade-Weser-Port mache auch in einem weiteren Umkreis „neue Produkte und Dienstleistungen“ möglich, sagt der Jade-Bay-Chef. Hamburg habe das vorgemacht.

So etwas in Gang zu bringen – das reizt den studierten Betriebswirt. Breitzke war im Frühjahr 2010 in die Jade-Bay-Region und damit seine Heimat zurückgekommen. 20 Jahre war der Ostfriese „unterwegs“, wie er sagt. Er meint damit zahlreiche leitende Funktionen sowie Projektentwicklungen, die er vorangetrieben hat. Schwerpunkt waren Industrie- und Gewerbeimmobilien, zuletzt für den Strabag-Konzern. „Ich bin ein Ansiedler-Typ“, sagt der 48-Jährige schmunzelnd über seine Fähigkeiten.

Wichtig seien jetzt „Initialzündungen“, betont Breitzke: Mutige müssten beispielhaft vorangehen und die Zauderer überzeugen. So wie Nordfrost mit dem Logistikzentrum, dessen Bau nun anläuft. Der Schortenser Unternehmer Horst Bartels will gezielt die neuen Möglichkeiten vor der Haustür nutzen. Breitzke weiß natürlich von weiteren Interessenten, denn er führte schon „das eine oder andere Gespräch“. Der Ansiedlungs-Profi gibt sie aber noch nicht preis: „Erst wenn die Tinte trocken ist.“ Typische Firmengebäude für hafenbezogene Aktivitäten ließen sich aber ja binnen weniger Monate errichten. Mehrere Interessenten gibt es auf jeden Fall für den interkommunalen Jade-Weser-Park.

Breitzke sieht große Chancen durch den Containerhafen, aber auch durch Tourismus-Investitionen und Offshore-Energie. Die ganze Jade-Bay-Region soll ihren Teil vom Boom abbekommen, so etwa die Häfen an der Weser: Verladung, Versorgung, Produktion, aber auch Ausbildung seien die Themen. Die Argumente sind die Gleichen wie im Umkreis des Containerhafens: ausreichend Flächen, nah am Wasser und Förderungen für Finanzierungen.

Breitzke kann nicht nur mit den großen Investoren, sondern auch den kleinen Betrieben. Natürlich spricht er „Platt“, und er kennt Heimatlieder. Persönlich tritt der Geschäftsführer bescheiden auf. Die Zentrale in der der Wilhelmshavener Kutterstraße, gut versteckt und ohne Blick auf den Port, ist geradezu ein Understatement. Aber an der Wand hängen große Pläne.

Der Ansiedlungsmanager hat es mit einer ungewöhnlichen Konstruktion zu tun. Gemeinsame Wirtschaftsförderung für vier Gebietskörperschaften – das ist bisher noch selten. Zudem ist die regionale Wirtschaft mit im Boot: 23 Unternehmer in einem Fachbeirat. Breitzke kann das offenbar gut organisieren. Und er hat Drähte nach Hannover. 1,2 Millionen Euro an Fördermitteln hat der Jade-Bay-Chef im ersten Jahr mobilisiert, etwa für Qualifizierungen. Dafür müssen dann lokale Co-Finanzierungen angeschoben werden. „Die regionale Wirtschaft zieht mit, so konnten wir in den letzten sechs Monaten 240 000 Euro an privater Co-Finanzierung zusammenbringen. Das macht Spaß und bringt uns weiter.“

Was er von der Region fordert: An einem Strang ziehen, statt sich bei Ansiedlungen auf engstem Raum Konkurrenz zu machen, sich als Marke positionieren, am besten einschließlich Industrie und Tourismus, denn beides liegt in der Jade-Bay nah beieinander. „Die Region muss ihre Chancen ergreifen, und zwar jetzt“, sagt Breitzke und hebt beschwörend die Arme. Ihn quält die Vorstellung, dass in 20 Jahren jemand klagen könnte: „Hätten wir doch!“

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2040
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.