Papenburg - Zwei Vermittler sollen den Streit zwischen der Papenburger Meyer Werft und ihrem Betriebsrat entschärfen. Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel von der Universität Bremen soll auf Vorschlag des Betriebsrates tätig werden. Auf der anderen Seite will die Werftleitung den Direktor des Arbeitsgerichtes Pforzheim, Hans Weischedel, als Mediator einschalten. Die früher übliche Sozialpartnerschaft mit dem Betriebsrat solle wieder normalisiert werden, sagte Werftsprecher Günther Kolbe in Papenburg am Donnerstag.
Ähnlich äußerte sich auch Hickel in Bremen. „Das wird kein einfacher Job, aber ich finde ihn sehr wichtig“, sagte er. Der Forschungsleiter Finanzpolitik am Institut Arbeit und Wirtschaft hat bereits Erfahrungen bei zwei früheren Schlichtungen für die Metall- und Elektro- sowie für die Stahlindustrie gesammelt.
Die Meyer Werft steht derzeit wegen der Verlegung ihrer Dachgesellschaft nach Luxemburg in der Kritik. Zudem sind Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall empört über die fristlose Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim Ergin. Er soll junge Beschäftigte genötigt haben, in die IG Metall einzutreten, so der Vorwurf der Werftleitung. Ergin bestreitet dies.
Die Vorwürfe gegen Ergin beschäftigen jetzt auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Nötigung, nachdem eine Anwaltskanzlei im Auftrag der Werft Unterlagen zur Prüfung einreichte. Ein Werftsprecher bestätigte, die Kanzlei sei für das Unternehmen tätig geworden. Es sei jedoch keine Anzeige erstattet worden.
Die Unternehmenspläne zum Umzug nach Luxemburg hatte im Juli auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kritisiert. Lies wies jetzt Vorwürfe der Opposition zurück, wonach das Land die Werft mit mehr als 3000 Beschäftigten zu wenig unterstütze. Das Land habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren mit Millionenbeträgen unterstützt und wolle dies auch weiterhin tun, versicherte der Minister.
Demnach bekam die Werft seit 2010 Förderungen für Innovationsprojekte in Höhe von 72,87 Millionen Euro, die sich Bund und Land teilten. Für das Jahr 2015 stellte das Land fünf Millionen Euro im Haushalt für Innovationen im Schiffbau bereit. Dieser Betrag ist nach Angaben von Lies bis auf einen geringen Rest aufgebraucht - fast ausschließlich für Projekte der Meyer Werft.
Unterdessen nannte die Werft Einzelheiten ihres ersten Neubauauftrages für die britische Reederei Saga Cruises. Das 234 Meter lange Kreuzfahrtschiff soll im Sommer 2019 abgeliefert werden. Daneben gibt es die Option für einen weiteren Neubau Anfang 2021. Für den Bau will die Werft ein derzeit ungenutztes Dock reaktivieren.
