JEVER - Erhard Stegemann parkt sein Auto im Parkhaus Steinstraße und ging bisher davon aus, dass er dort als Anlieger geduldet wird. Die Stadt hätte ihn vor dem Bußgeld warnen müssen.

von ulrich schönborn

JEVER - Jedes „Knöllchen“ an der Windschutzscheibe ist ärgerlich. Ganz besonders geärgert hat sich aber Erhard Stegemann aus der Altstadt-Straße Hopfenzaun in Jever, als er jetzt einen Bußgeldbescheid an seinem Auto fand.

Er hatte sein Fahrzeug länger als die erlaubten fünf Stunden im Kellergeschoss des Parkhauses an der Steinstraße abgestellt und wird deswegen jetzt wegen einer Verkehrsordnungswidrigkeit zur Kasse gebeten. Dass er gegen Parkregeln verstoßen hat, sieht auch Stegemann ein. Dennoch weigert er sich zunächst, die Strafe zu zahlen und hat jetzt eine schriftliche Stellungnahme der Bürgermeisterin gefordert. Der Grund: Stegemann pocht auf eine Art Gewohnheitsrecht und auf das Recht der Innenstadtbewohner, ihre Fahrzeuge ohne Schikanen abstellen zu können.

„Seit 15 Jahren parke ich mein Auto in der Tiefgarage und habe noch nie eine Anzeige bekommen“, sagt Stegemann. Er habe aus dieser jahrelangen Duldung eine Dauerparklösung für betroffene Anlieger abgeleitet – zumal er seinerzeit beim Kauf seiner Eigentumswohnung 6000 Euro als Ablöse für die Schaffung zusätzlicher Parkplätze in der Stadt gezahlt habe. Er erwarte keinen fest zugewiesenen Stellplatz. Angesichts der eklatanten Engpässe in der Altstadt erwarte er aber zumindest eine Chance, sein Fahrzeug für 24 Stunden in der Nähe seiner Wohnung parken zu können.

Zudem ärgert sich Stegemann über die seiner Meinung nach willkürliche Aktion der Verwaltung. „Warum ändert die Stadt eine langjährige allgemeine Duldung ohne Vorwarnung und ohne nachvollziehbaren Grund?“, fragt er in seinem Schreiben an Bürgermeisterin Dankwardt. Und warum habe sich die Stadt nicht zunächst mit den Anliegern zusammengesetzt, um eine einvernehmliche Lösung zu finden?


Dass Stegemann bisher noch nie ein Knöllchen bekommen hat, ist nach Einschätzung von Ordnungsamtsleiter Joachim Gruna „reines Glück“. „Wir kontrollieren sporadisch das Parkhaus in der Steinstraße“. Das Parkhaus sei auch für Berufstätige und Besucher der benachbarten Altenwohnanlage vorgesehen und sei keine kostenlose Garage für Anlieger. Er wisse von Familien, die gleich drei Autos dort parkten – offenbar in der Hoffnung, mit sporadischen Strafzetteln billiger wegzukommen als mit der Anmietung von Garagen.

Die Ablösezahlung beim Kauf von Wohnraum ohne eigenen Parkplatz sei nicht mit dem Anspruch auf öffentliche Stellflächen verbunden.

„Die Anlieger müssen sich einen Parkplatz suchen, der nicht bewirtschaftet wird“, so Gruna.

Stegemann will sich damit nicht zufrieden geben. Das alles sei eine Posse, meint er. Seit der Knöllchen-Aktion träfen sich jetzt immer mittags die Parkhaus-Anlieger auf dem Parkdeck, um ihre Autos umzustellen und die Parkscheibe weiter zu drehen. . .

Erhard Stegemann hat im Parkhaus Steinstraße die zulässige Parkzeit überschritten und dafür ein „Knöllchen“ bekommen – so weit, so richtig. Dennoch ist sein Ärger nachvollziehbar. Denn Verwaltung und Stadtrat wissen um die Parknot in der Altstadt.

Es geht um ein grundsätzliches Problem: Durch die Kirchplatz-Sanierung und durch die von der Politik gewünschte Lückenbebauung wird Parkraum immer knapper. Der St.-Annen-Parkplatz ist nur ein Provisorium. Schon jetzt herrscht in den Seitengassen Park-Chaos.

Eine autofreie Altstadt ist in einem ländlichen Gebiet wie Friesland leider eine Illusion. Deshalb muss endlich eine Lösung her.

Den Autor erreichen sie unter schoenborn@infoautor.de

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