JEVER - Der Vertrag hat ein Volumen von über fünf Millionen Euro pro Jahr. Das Unternehmen wurde 1936 gegründet.

Von Jörg Schürmeyer

Wer den Produktkatalog der Lederfabrik Hase in Jever durchblättert, bekommt gleich auch eine Einführung in Landeskunde. Da gibt es den wasser- und ölabweisenden Arbeitshandschuh „Jever“, den Montagehandschuh „Oldenburg“ oder den Schweißerhandschuh „München“. „Das hat sich mittlerweile so eingeprägt, dass viele Kunden gar nicht mehr mit der Artikelnummer bestellen, sondern gleich den Ortsnamen angeben“, sagt Hase-Geschäftsführer Theodor Wagner.

Künftig schützen „Oldenburg“ und „München“ auch die Hände der Mitarbeiter von BMW. Denn das friesische Unternehmen stattet mindestens für die nächsten drei Jahre alle BMW-Werke mit kompletter Schutzausrüstung von den Handschuhen, über die Bekleidung bis zu den Schuhen aus. Der Auftrag hat ein Volumen von über fünf Millionen Euro pro Jahr.

„Besonders stolz sind wir darauf, dass wir den Auftrag nicht über den Preis erhalten haben, sondern mit unseren Konzept überzeugen konnten“, sagt Wagner. Gleich acht Mitbewerber standen bei der europaweiten Ausschreibung in der engeren Auswahl. „Ein Trumpf war sicherlich, dass wir alles aus einer Hand liefern können und auch über umfangreiche Kenntnisse über Materialien, Rohstoffpreise und Normen verfügen“, sagt Marc Bankoley, zuständig für Marketing und Vertrieb bei Hase.


1936 wurde das Unternehmen von Karl Hase in Danzig gegründet. Nach der Neugründung elf Jahre später in Wilhelmshaven wuchs die Lederfabrik auch dank eines Großauftrags von Volkswagen rasch. 1994 kaufte Wagner das Unternehmen aus der Nordfrost-Gruppe (Schortens) heraus, die die Lederfabrik Anfang der 80er-Jahre übernommen hatte. 1997 erfolgte der Umzug nach Jever.

Heute verfügt das Unternehmen mit seinen rund 75 Mitarbeitern, davon 40 am friesländischen Konzernsitz, über Niederlassungen in Herne, Stettin (Polen), Tägerwilen (Schweiz) und Johannesburg (Südafrika). Produziert wird über Joint-Venture-Partner vor allem in Ungarn, Kroatien, Pakistan, Indien.

Durch den Erwerb derSchweizer Firma Remisberg im April, einem Spezialisten für Forstschuhe, stellt sich Hase stärker international auf. „Mit Remisberg runden wir die Produktpalette ab“, sagt Wagner. Doch auch in Jever hat Hase erst kürzlich 1,7 Millionen Euro in ein Firmen- und Logistikgebäude mit einer Lagerfläche von 6500 Quadratmetern investiert. Allein 1000 Quadratmeter sind für den BMW-Auftrag vorgesehen.

„Das Herz des Unternehmens wird auch künftig in Jever schlagen“, sagt Wagner. Daran ändert auch nichts, dass der am häufigsten nachgefragte Artikel des Sortiments nicht „Jever“ sondern „Bremerhaven“ heißt.