JEVER - Mit Kritik hat die Schortenser Ratsfrau und Gaspreis-Protestlerin Dr. Almut Eickelberg auf den Kooperationsvertrag der Kreisverwaltung mit dem Energieversorger EWE reagiert. Der Kreis habe sich für die nächsten 15 Jahre an den Energieversorger gebunden und verpflichtet, Gas ausschließlich von EWE zu beziehen.
„Ein möglicher Protest seitens des Landkreises wegen zu hoher Gaspreise der EWE ist im Keim erstickt, da für die erforderliche Sanierung und Übernahme der Heizungsanlagen ein Gasbezug von EWE für denselben Zeitraum Bedingung ist“, so Dr. Eickelberg.
Wie berichtet, erneuert EWE in 17 Kreisgebäuden – vor allem Schulen und Sporthallen – die Heizungsanlagen, betreibt und wartet sie 15 Jahre lang und liefert auch das Erdgas. Im Gegenzug zahlt der Landkreis an EWE einen Grund- und einen Arbeitspreis, mit dem die Investitions- und Gasverbrauchskosten gedeckt werden sollen. Nach Angaben der Kreisverwaltung spart sie in diesem Zeitraum rund 2,1 Millionen Euro an Energiekosten. Nicht berücksichtigt sind in dieser Rechnung allerdings die vereinbarten Zahlungen des Grund- und Arbeitspreises an EWE. Rechne man auch die Kosten mit ein, die der Landkreis hätte, wenn er die Heizungsanlagen selbst erneuern würde, käme man nach Angaben von Kreis-Sprecher Sönke Klug auf eine Einsparung von 17 Prozent.
Wie viel das in barer Münze ist, wollte Klug mit Verweis auf vertrauliche Verträge nicht sagen. Er betonte jedoch, dass der Kreis deutlich günstiger fahre als ohne das Kooperationsmodell mit EWE. Der Oldenburger Energieversorger habe bei der europaweiten Ausschreibung das günstigste Angebot vorgelegt. Die vereinbarten Konditionen seien „sehr gut“.
Klug räumte allerdings ein, dass es keine Preisgarantie gibt. So muss auch der Landkreis mit künftigen Gaspreis-Erhöhungen der EWE rechnen. Aus Sicht des Landkreises bietet das Kooperationsmodell dennoch mehr Einsparpotenziale als die Möglichkeit, bei Preissteigerungen den Anbieter zu wechseln.
Niemand kann in die Zukunft schauen. Sicher ist aber, dass die Energiekosten weiter steigen werden.
Angesichts dieser Tatsache geht der Landkreis Friesland ein Risiko ein, wenn er sich 15 Jahre lang an einen Energieversorger bindet. Sicherlich bringt der Kooperationsvertrag, den die Kreisverwaltung mit EWE geschlossen hat, zunächst Zinsvorteile, günstige Konditionen und einen geringeren Verbrauch durch die modernen Anlagen.
Doch auch EWE hat nichts zu verschenken. Die Investitions- und Verbrauchskosten holt sich das Unternehmen über so genannte Grund- und Arbeitspreise zurück. Und von künftigen Preiserhöhungen bleibt auch die Kreisverwaltung nicht verschont.
Die Vertragsmodalitäten hält der Landkreis unter Verschluss. So ist für Außenstehende nur schwer zu beurteilen, ob der Kreis das große Los gezogen hat – oder am Ende draufzahlen muss.
