JEVER - Was ist erhaltenswert, was nicht? Um diese Frage zu beantworten haben sich Corinna Janßen und Sibylle Frank Haus für Haus genau angesehen.
von Melanie Hanz
JEVER - Als „wahres Kleinod“ haben Corinna Janßen und Sibylle Frank das jeversche Quartier Große und Kleine Burgstraße, Albani- und Rosmarinstraße entdeckt. Im Auftrag des Denkmalschutzes im Landkreis Friesland und der Stadt Jever haben sich die beiden Denkmalpflegerinnen auf Spurensuche in den Straßen begeben.Haus für Haus sind sie dabei vorgegangen, haben anhand Stadtplänen seit 1768, alten Stadtansichten aus dem Archiv des Schlossmuseums, Erbbüchern und den Aufzeichnungen des Katasteramts den Wandel an den Gebäuden nachvollzogen und dokumentiert. So stellten sie etwa fest, dass das Haus Gr. Burgstraße 1 das älteste Gebäude im Quartier ist, dass die Hof-Apotheke ursprünglich ebenfalls an der Burgstraße angesiedelt war und dass es in Hausnummer 13 wohl einen mittelalterlichen Gewölbekeller gibt.
Auffällig für die Denkmalpflegerinnen ist die Struktur des Quartiers: „An Großer Burg- und Albanistraße haben wir vergleichsweise große und repräsentative Gebäude, zwei Straßen weiter wird es sehr kleinteilig“, sagt Corinna Janßen.
Ärzte und Apotheker lebten im repräsentativen Teil, wo auch das mondäne Gasthaus „Zur Traube“ seinen Platz hatte. In der Kleinen Burg- und Rosmarinstraße lebten dagegen Handwerker, die ihrem Beruf in den Hinterhöfen nachgingen und außerdem zum Hofdienst, zu Arbeiten etwa an den Wallanlagen, verpflichtet waren.
„Wenn wir wissen, was wir noch haben, können wir entscheiden, was schützenswert ist“, erläuterte Hermann Schiefer vom Landesamt für Denkmalpflege Sinn und Zweck der bauhistorischen Analyse im Burgstraßen-Viertel. Dass die alten Stadtquartiere noch heute geschlossen vorhanden seien, sei eine Besonderheit Jevers.
Dr. Martin Dehrendorf, Denkmalpfleger des Landkreises, wünschte sich, dass die Dokumentation von Janßen und Frank Einstieg in weitere Forschungen sei. „Wenn erst dokumentiert wird, sobald Baumaßnahmen laufen, ist das eine Katstrophe für den Arbeitsablauf wie auch für das Gebäude“, sagte er. Er hob die Möglichkeiten hervor, die solche historischen Dokumentationen für Stadt- und Gebäudeentwicklung aufzeigen können.
„Die jüngsten Diskussionen um den Brunnen auf dem Kirchplatz haben gezeigt, dass ein Bewusstsein für Erhaltenswertes vorhanden ist“, sagte er. Es wäre wünschenswert, dass die politischen Gremien der Stadt weitere Forschung mittragen und die Ergebnisse noch mehr berücksichtigten.
