JEVER/FRIESLAND -

von melanie hanz

JEVER/FRIESLAND - Neue Chancen bietet die Kreishandwerkerschaft Friesland jugendlichen Schul- und Ausbildungsabbrechern sowie Arbeitslosen: In Zusammenarbeit mit dem Job-Center Friesland und der Kreisvolkshochschule werden über Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung, die so genannten Zusatz- oder Ein-Euro-Jobs, junge Arbeitslosengeld II-Empfänger fit gemacht fürs Berufsleben.

„Im Handwerk haben wir die Möglichkeit, über praktische Arbeit auch die Lernmotivation herauszukitzeln“, sagt Peter Töben, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Friesland über die Qualifizierungsmaßnahme, die seit einem Jahr läuft.

Im Ausbildungszentrum des Handwerks in Jever lernen 20 junge Männer – auch junge Frauen können teilnehmen – ein bzw. ein halbes Jahr lang Berufsbilder wie Maler oder Maurer, Zimmerer, Tischler oder aus dem Metallbereich kennen oder frischen ihre beruflichen Kenntnisse auf. Zugleich werden Kurse zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss angeboten.

Da es sich um Zusatzjobs handelt, arbeiten die jungen Leute für gemeinnützige Zwecke. So haben sie eine Aussichtsplattform für ein Naturschutzgebiet, Spielgeräte für Kindergärten und Einrichtung fürs jeversche Jugendhaus gebaut. „Dadurch lernen unsere Jungs, was es bedeutet, von morgens bis abends durchhalten zu müssen“, sagt Ausbildungsmeister Egon Sjuts. „Wichtig ist auch das Erfolgserlebnis: Zu sehen, ich habe etwas geschafft.“

Neben der praktischen Arbeit sollen die Jugendlichen soziales Verhalten lernen, Pünktlichkeit, Disziplin und sich in die Gruppe zu integrieren. Zwar geben manche auf und verlassen die Maßnahme, aber „viele machen sich ganz toll“, erzählt Sjuts.


„Das ist die Chance für die Jugendlichen, doch noch etwas zu schaffen“, lobt Tina Heliosch vom Job Center Friesland die Qualifizierungsmaßnahme des Handwerks. „Wir sind froh, dass wir mit der Kreishandwerkerschaft eine Einrichtung haben, die die jungen Leute richtig anfasst und ihnen Perspektiven bietet“, sagt auch Job Center-Leiter Heinrich Kruse. Die Erwartungen, die das Job Center an die Maßnahme hat, seien bisher weit übertroffen worden.

Den Teilnehmern kommt neben der Bandbreite der Ausbildungsmöglichkeiten insbesondere die Nähe zur Wirtschaft zugute. „Wir kennen die Handwerksbetriebe in der Region und haben damit gute Chancen, unsere Jungs zu vermitteln“, sagt Sjuts. So haben bereits vier Teilnehmer an der Maßnahme einen Arbeitsplatz gefunden. „Das Vertrauen der Betriebe in unser Urteil ist groß“, sagt Sjuts: „Wenn wir sagen, der ist gut, dann wird er auch genommen.“

Darauf hofft auch Tobias Buss: Der 18-Jährige hat „die Schule vergeigt“ und versucht jetzt einen Neuanfang, „am liebsten als Maler und Lackierer“.