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Jevers Graften „Problemkind“ Prinzengraft

Melanie Hanz

Jever - Jevers Prinzengraft – mit 2900 Quadratmetern Wasserfläche die größte – ist ein Problemkind: Die Graft müsste dringend saniert werden – doch die Sanierung übersteigt die Finanzkraft der Stadt. Und so wird sie seit Jahren aufgeschoben.

1988 gab es einen Sanierungsversuch – damals wurden die Böschungen mit Faschinen befestigt. Vorher hatte die Prinzengraft Bruchkanten und Hohlräume, aus denen Bauschuttreste bröckelten und man allerlei Getier dazwischen beobachten konnte. Doch aufgrund von Schadstoffwerten des Schlamms konnte keine Entschlammung erfolgen.

Graft fällt trocken

Die Uferbefestigung mit den Faschinen hat sich längst aufgelöst. Und bei größerer Trockenheit fällt sogar ein Teil der Graft trocken.

2010, als der niedrige Wasserstand genutzt wurde, einen trocken gefallenen Bereich weg zu baggern, kam sehr viel Bauschutt zum Vorschein. Volker Bleck von der Stadtverwaltung und der Archäologiebeauftragte des Landkreises, der mittlerweile verstorbene Heino Albers, hatten damals den Schlamm durchsucht – und jede Menge Interessantes gefunden: Besteck aus einer Zahnarztpraxis, einen Stahlhelm, viele Kochtöpfe, Ofenreste, Lederreste und Schnittmuster aus einer Schusterwerkstatt aus dem 19. Jahrhundert sowie Relief-Flaschen aus der Fetköter-Brauerei. Auch in der Prinzengraft zeigte sich, dass zur Verkleinerung der ehemaligen Stadtgräben die Bürger ihren Hausabfall entsorgten.

In der Böschung der Prinzengraft wurden alte Eisenrohre gefunden, die Richtung Sophienstift zeigen – vielleicht ein Hinweis darauf, dass Abwässer aus dem früheren Krankenhaus in die Graft gelangten. Die Schlammbelastung durch Schadstoffe gibt auch dazu Anhaltspunkte. Weitere andere Gründe können daran Anteil haben: Bekannt ist, dass die Prinzengraft bis 1935/36 als Kühlwasser-Reservoir für das Elektrizitätswerk – heute das ev. Gemeindehaus – genutzt wurde. „Die Leitungen sollen noch liegen, nur wo ist die Frage“, sagt Bleck. Dass es noch unbekannte Zuläufe gibt, wurde festgestellt, als vor ein paar Jahren ein Maler Spülwasser aus seinem Farbeimer auf dem Parkplatz der katholischen Kirche unrechtmäßig in einen Gully kippte. „Da bekamen wir einen Anruf von einer Kollegin aus dem Landkreis, dass aus der Böschung weiße Farbe in die Prinzengraft sickert“, so Bleck.


Viel Schlamm am Grund

Ob es weitere Wasserzuläufe gibt, ist nicht bekannt. Auch hier wird der Niederschlag und das Grundwasserfluss sicher den größten Anteil haben. Die Graft entwässert bei höherem Wasserstand in den Regenwasserkanal der Lindenallee.

Die Prinzengraft, die einst mit der Schlossgraft und der Duhmsgraft verbunden war, ist heute abgebunden. Eine Menge Schlamm bildet die Sohle der Graft – was darin alles abgelagert sein könnte, weiß man nicht genau. „Eine Aufreinigung wäre notwendig – aber wahrscheinlich auch sehr aufwendig und teuer“, sagt Bleck.

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