JEVER - Zentimetertief versinken die Pferde mit ihren Hufen im weichen Ackerboden, sie werfen sich mit viel Muskelkraft ins „Brustblatt“, um den historischen Wendepflug durch die Erde zu ziehen. Hinter ihnen entsteht eine tiefe Furche nach der anderen. Die Organisatoren des historischen Gespannpflügens Herbert Steinhagen aus Jever und Johann Müller aus Wiesedermeer rufen den beiden Hannoveranerfüchsen Kommandos und aufmunternde Worte zu, während sie Pflug und Pferde auf der Spur halten.
Die Szenerie am Sonntagmittag in Wiesedermeer erinnert an ländliche Postkartenidylle und daran, wie die Menschen zu Großvaters Zeiten, als es noch keine Trecker und große Landmaschinen gab, ihre Felder bestellt haben. Damals waren sie noch auf das Pferd als Arbeitstier angewiesen und die Feldarbeit war für Mensch und Tier gleichermaßen ein körperlicher Kraftakt.
Auf dem Gelände der Familie Hinrichs ziehen vier weitere Gespanne, darunter Haflinger und Kaltblüter, verschiedene altertümliche Pflüge durch die vom Regen der vergangenen Tage aufgeweichte Erde. Anschließend erhalten die Teilnehmer als Anerkennung eine Plakette im Namen der Organisatoren und des Reit- und Fahrklubs Altes Amt Friedeburg.
Rund 150 Menschen stehen hinter den Absperrungen und beobachten das Spektakel. „Wir wollen mit dem Schaupflügen zeigen, dass ein Pferd zu mehr zu gebrauchen ist als nur zum Reiten“, sagt Herbert Steinhagen.
Die Idee zum zweiten historischen Gespannpflügen entstand, als Pferdebesitzer Johann Müller vor rund drei Jahren ein Wettpflügen in Detmold sah. „Ich habe Hannoveraner und dachte, das können meine Pferde auch. Wir haben danach gleich angefangen, mit ihnen zu trainieren“, erinnert er sich. Das sei etwas Besonderes, da Hannoveraner normalerweise keine Pflüge ziehen, sagt er. „Das ist sonst anderen Rassen vorbehalten“, meint Müller.
Trainiert wird unter anderem das Gehen in der Furche, das viel Trittsicherheit von den Pferden verlangt. Inzwischen haben die Tiere mehr Muskeln aufgebaut und können den Pflug sicher ziehen, erklärt Herbert Steinhagen. Gemeinsam mit Johann Müller und Diethelm Behrends übt er regelmäßig mit den beiden Hannoveranerwallachen, vor Veranstaltungen wie dieser sogar täglich.
Neben der Arbeit am Pferd sammeln die drei Freunde mit Begeisterung historische Pflüge, die sie beim Gespannpflügen ausgestellt haben. „Die Pflüge haben wir aus dem Internet oder von Privatpersonen“, sagt Steinhagen. Seine Faszination für das Pflügen erklärt der 62-Jährige so: „Ich bin begeistert davon, wie ich beim Pflügen mit den Tieren arbeiten kann.“ „Pflügen war schon als Kind meine Lieblingsbeschäftigung“, ergänzt Müller.
