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Landwirtschaft ,Streit ist rein politisch motiviert‘

Jever - Der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft ist zum Streitthema geworden: Kritiker moderner Landwirtschaft verweisen auf Gifte in Umwelt und Nahrung, die aus der Landwirtschaft stammen. Diese Vorbehalte räumte Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung, in seinem Vortrag beim Kreislandvolkverein am Montag im Schützenhof Jever aus. „Nach derzeitiger wissenschaftlicher Kenntnis ist bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung von Glyphosat kein krebserregendes Risiko für den Menschen zu erwarten“, sagte er.

Institut 2003 gegründet

Das Bundesinstitut für Risikobewertung wurde vor 15 Jahren von der Grünen-Agrarministerin Renate Künast als Reaktion auf die BSE-Krise gegründet und hat rund 1000 Mitarbeiter. Von den jährlich rund 3000 Risikobewertungen gebe es nur bei Glyphosat und Gentechnik Ärger, so Hensel. Die Landwirte wüssten und handelten danach: Erst die Dosis macht das Gift, sagte er.

„Glyphosat wird seit mehr als 40 Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt, ohne dass es auch nur einen einzigen ernstzunehmenden Hinweis auf schädliche Nebenwirkungen für den Menschen gibt. Es ist noch nicht einmal besonders giftig“, betonte Hensel. Die tödlichen Dosen von Glyphosat und Kochsalz lägen in der gleichen Dimension. Die Wahrnehmung „öko - gesund, Agrarchemie - giftig“, bezeichnete er als rein subjektiv: „Die Messanalytik ist heute so präzise, dass der Eindruck entsteht, es wimmelt nur so vor Giften“, so Hensel. Schon ein Stück Würfelzucker im Bodensee sei nachweisbar.

„Der Streit um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, ist eine politische Frage und keine wissenschaftliche“, meint der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung: In der Wissenschaft sei die Sache geklärt. Alle Zulassungsbehörden der Welt kämen zum selben Schluss wie sein Institut, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Weil diese Bewertung nicht in die politische Agenda passt, werde sein Institut vielfach der Unfähigkeit bezichtigt.

Hensel bezeichnete es als nicht akzeptabel, dass Bewertungsbehörden diskreditiert werden: „Das führt zu einer Facebook-Wissenschaft, wo jeder seinen Kommentar abgibt, egal ob er in der Sache Kenntnis hat oder nicht.“ Es gebe auf der Welt nur wenige Wissenschaftler, die Toxizitätsstudien sachgerecht auswerten könnten – „aber trotzdem redet jeder mit, um sich in seinen Vorurteilen bestätigt zu sehen“, bemängelt Hensel. Pestizide hätten eine Wirkung, sonst würden sie nicht eingesetzt. „Sie sind nötig, um Ernten sicher zu machen.“


Gefahr lauert anderswo

Hensel bezeichnete das Essen heute sicherer als jemals zuvor. Die wirklichen Gefahren für die Verbraucher lauerten beim Würzen oder in der Lebensmittelzubereitung. „Wenn Sie Ihre Bratkartoffeln in der Pfanne schwarz brutzeln, haben Sie ein vielfach erhöhtes Krebsrisiko“, erklärte der Präsident. Viele Produkte seien mit dem Bakterium Escherichia coli verunreinigt, das Durchfall und Schlimmeres auslösen kann. „Man stelle sich vor, 70 000 Menschen würden sich statt an Bakterien an den Rückständen eines zugelassenen Pflanzenschutzmittels vergiften: Da müsste dann wohl die Regierung zurücktreten“, so Hensel.

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