Jever/Schortens - Man muss Google Maps schon sehr stark heranzoomen, um den Weg überhaupt zu erkennen: Er ist nur 680 Meter lang und überwiegend eine schmale Schotterstrecke, an beiden Seiten dicht bewachsen von Sträuchern und Bäumen. Blickt man über die Wiesen und Felder nach Osten, kann man Jevers Silhouette mit Schloss- und Kirchturm sehen. Blickt man nach Westen Richtung Addernhausen, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Den Weg, als „Karkpadd“ bekannt, soll es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts geben, sagt Werner Martsfeld. Er wohnt an der Addernhausener Straße etwas zurückgesetzt von der Straße auf einem ruhig gelegenen kleinen Hof auf etwa halber Strecke zwischen Jeverscher Straße und Waldschlösschen. Nur wenige Hundert Meter hinter seinem Haus schlängelt sich der Karkpatt durchs Land und verbindet Siebetshaus und Addernhausen.
Etwa 20 Spaziergänger und Radfahrer nutzen den Weg durchs geschützte Moorland regelmäßig, auch als Abkürzung um mit dem Fahrrad Jever zu erreichen. Das ist nicht wirklich viel, aber aus Sicht der wenigen Anwohner ringsherum doch genug, um auf die Bedeutung des Weges hinzuweisen.
Das Problem: Einem Eigentümer des privaten Wegs missfällt das. Zum wiederholten Mal sei eine große Fuhre Erde auf den Weg gekippt worden, sagt Martsfeld. Radfahrer kämen so nun gar nicht mehr oder sehr schwer durch.
Um den auf jeverschem Stadtgebiet verlaufenden Fuß- und Radweg und seine Nutzungsrechte schwelt ein jahrelanger Streit – vor allem um die Frage, ob der Weg gewidmet ist oder nicht. Vor zehn Jahren bereits wurde über eine mögliche Entwidmung des Wegs diskutiert – also darüber, ob der Weg, obwohl er ein Privatweg ist, öffentlich genutzt werden darf.
In Jever ist man sich nach wie vor nicht klar, ob es angesichts der sehr wenigen Nutzer ein gesteigertes öffentliches Interesse an einer politischen Entscheidung gibt. „Das hier ist schon ein sehr individuelles Problem“, räumt Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers ein. Wie also geht man damit um?
Albers zufolge liegt der Weg etwa einen Meter weiter weg von der Grundstücksgrenze der Eigentümer. Die Widmung datiert aus dem Jahr 1970 und verläuft direkt an der Grundstücksgrenze entlang. „Knapp daneben“ also. Der Weg selbst sei Privateigentum.
Laut Albers gibt es für die handvoll Parteien, die wegen des Wegs im Clinch liegen, nur eine vernünftige Lösung: miteinander zu reden und sich zu einigen. Dazu sollten sich Anlieger und Eigentümer mit dem Fachausschuss treffen und ihre Positionen vorbringen.
Andernfalls müsste man darüber nachdenken, die öffentliche Widmung aufzuheben. Dann könnte der Eigentümer den Weg tatsächlich dichtmachen und theoretisch mit einem Tor schließen. Oder aber der Weg würde verlegt und die Stadt würde den Weg auf dem öffentlich gewidmeten Bereich neu aufbauen – und wohl Gefahr laufen, im Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds aufzutauchen. Der würde bei kaum messbarem öffentlichem Interesse zu recht monieren, wenn eine Stadt mit Steuergeld einen alten Weg einen Meter weiter Richtung Grabenkante verlegt, so dass er eigentlich gar nicht mehr genutzt werden könnte.
