JEVER - Durch sensible Denkmalpflege könnte Jever künftig mehr von der demographischen Entwicklung profitieren: „Ältere und Singles zieht es in die Städte“, betonte Hermann Schiefer vom Landesamt für Denkmalpflege am Mittwochabend bei einer gemeinsamen Infoveranstaltung von Jevers SPD- und CDU-Vorständen.
Mit Blick auf den neu zu erstellenden Flächennutzungsplan standen denkmalpflegerische Gesichtspunkte im Vordergrund der Diskussionsrunde. Neben Schiefer referierten Denkmalpflegerin Corinna Janssen und Dr. Julia Schulte to Bühne vom Monumenten-Dienst.
Anhand alter Stadtpläne und Fotos erläuterte Corinna Janssen, die in Jever für den Landkreis tätig war, ihre Arbeitsergebnisse für das Viertel Große und Kleine Burgstraße, Albanistraße und Große Rosmarinstraße. „Diese Straßenzüge zählen zu den ältesten der Stadt", erklärte sie. Obgleich viele Häuser im Laufe von sieben Jahrhunderten erneuert worden seien, habe sich beim Wiederaufbau die Anlage der Häuser wie zur Zeit der Regentschaft Fräulein Marias erhalten.
Dass Jever mit seinen Pfunden wuchern kann, zeigte im Anschluss Hermann Schiefer auf. Die erkennbar mittelalterliche Struktur mit Wallanlagen und 280 Baudenkmalen sei einzigartig in der Region. Interessant sei auch der „beachtliche Bestand mittelalterlicher Kellergewölbe“. Aus diesem Grund habe er Jever auf die Vorschlagliste für ein Förderprogramm historischer Altstädte gesetzt, das 2008/2009 bundesweit in Kraft treten wird. Nach einer Zielplanung des Stadtrats zum Erhalt des kulturellen Erbes seien Fördersätze von 40 bis 50 Prozent möglich.
Kompetent und knapp umriss Schiefer Probleme von Städten in der Größenordnung Jevers, denen es im allgemeinen finanziell schlecht gehe: „Der Einzelhandel leidet unter Verbrauchermärkten und Parkplatzproblemen, die Innenstädte veröden und werden als Wohnort zunehmend unattraktiv.“
Dass der Besitz oder der Kauf eines alten Hauses den Eigentümer nicht ruinieren muss, nicht das sprichwörtliche „Fass ohne Boden“ ist, erläuterte Dr. Julia Schulte to Bühne. Der Monumenten-Dienst bietet Besitzern alter Gemäuer Inspektionen und unabhängige Beratungen an. Diese Initiative der gemeinnützigen Stiftung Kulturschatz Bauernhof, die ihren Aktionsradius erst kürzlich auf Friesland ausgedehnt hat, steht Eigentümern dabei mit Rat und Tat speziell ausgebildeter Handwerker zur Seite.
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