JEVER - Der Blick von Müllers Dachterrasse am Treidelweg in Jever ist fantastisch: Die Schlachtmühle liegt in direkter Nachbarschaft, zudem sind auch die anderen Wahrzeichen der Stadt – Schlossturm, Kirchturm und Brautürme – zu sehen.
Das Bild ändert sich allerdings beim Blick nach unten. Müllers großzügige Penthouse-Wohnung liegt in einem Neubaugebiet, das immer noch auf seine Vollendung wartet. Brach liegende Grundstücke, halb fertige Straßen, überwucherte Parkplätze passen nicht zum exklusiven, innenstadtnahen Wohnen, das Müllers und ihren Nachbarn beim Kauf der Wohnungen am Treidelweg angeboten worden war – und für das sie auch einen entsprechend hohen Preis bezahlt haben.
„Wir sind frustriert“, sagen Lisa und Otto Müller und ihre Nachbarn Franz-Josef Eilers, Doris Janßen und Bärbel von Frommann. Neben dem unschönen Anblick kritisieren die Bewohner auch, dass die Zufahrtstraße im Winter wegen Schnee und Eis kaum passierbar sei. „Eingeschränkter Winterdienst“ steht lapidar auf einem Zusatzschild am ramponierten schiefen Straßenschild, das an der Wangerländischen Straße auf den Treidelweg hinweist. Hoch gewachsenes Unkraut, eine provisorisch asphaltierte Straße, Schotterränder und ein paar braune Garagen sind dort zu sehen – nichts weist auf die exklusive Wohnanlage hin, zu der diese Piste führt.
„Schandfleck“
Doch auch von der anderen Seite ist der Weg zur Wohnanlage von Müllers und ihren Nachbarn eher trist. Von der ohnehin schon vernachlässigten Schlachte aus führt er zwischen einem baufälligen ehemaligen Baustoffhandel und einem überwucherten Metallager hindurch und dann an einem brach liegenden Grundstück vorbei. Müll liegt herum, Hundehaufen müffeln, eine Beleuchtung gibt es nicht. „Das ist ein Schandfleck, nachts trauen wir uns hier gar nicht mehr lang“, sagt Lisa Müller.
Das erste Haus am Treidelweg wurde 2001 gebaut, weitere Mehrfamilien- und Reihenhäuser folgten. Doch das Projekt kam ins Stocken, die weitere Vermarktung der Flächen gestaltete sich schwierig. Ein Grund waren die inzwischen ad acta gelegten Pläne der Stadt, in diesem Bereich eine Straße zu bauen, die als „Spange“ die Wangerländische Straße mit dem Hooksweg verbindet.
Schnelle Lösung gesucht
Doch jetzt kommt die Sache offenbar in Bewegung. Obwohl der Erschließungsvertrag vorsieht, dass der Endausbau des Treidelwegs erst bei einer 80-prozentigen Bebauung des Gebiets erfolgen muss, will Michael Feldmann als Erschließungsträger die Zufahrt nun fertigstellen. Es seien noch einige vertragliche Dinge zu regeln, so Feldmann im Gespräch mit derNWZ
. Wenn alle Hindernisse aus dem Weg geräumt seien, sei er bereit, in Vorleistung zu treten – auch wenn Flächen noch auf Käufer warteten.Auch die Stadt strebt nach Angaben von Bau-Fachbereichsleiter Dietmar Rüstmann eine schnelle Lösung an. Er hoffe, dass noch im Herbst mit dem Endausbau des Treidelwegs und seiner Nebenanlagen sowie dem Bau eines Rad- und Fußwegs zwischen Treidelweg und Hooksweg begonnen werden könne.
Nach Fertigstellung werden die Straßen der Öffentlichkeit gewidmet und gehen dann ins Eigentum der Stadt über.
