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Stadtgespräch Auch Käse kommt demnächst aus Jever

Melanie Hanz

Jever - „Regionale Produkte – alles Täuschung?“ Die provokant gemeinte These von Volkshochschul-Geschäftsführerin Heike Horn erwies sich am Dienstagabend schnell als zahnlos: Zumindest in den Betrieben des jeverschen Netzwerks „Jeverländer Speisenkammer“ kommen Produkte aus der Region, wenn „regional“ draufsteht.

Wie das funktioniert, erklärten Bürgermeister Jan Edo Albers, Dirk Eden von „Jever Aktiv“ und Stephan Eden beim so genannten „Stadtgespräch“ der VHS im Anton-Günther-Saal – und auch die Zuhörer beteiligten sich: Lars Ulmke vom Christianshof Middoge, Fleischer Georg Janssen, Heinrich Lenz vom „Forsthaus Upjever“ sowie Ina Rosemeyer vom regionalen Umweltzentrum Schortens begleiten das Netzwerk.

Start vor acht Wochen

Erst vor knapp acht Wochen hat das Netzwerk „Jeverländer Speisenkammer“ die Arbeit aufgenommen. „Wir wollen in kleinen Schritten anfangen, Regionalität zu pflegen“, sagte Albers: Regional ist im Netzwerk definiert als der Umkreis von 50 Kilometern rund um Jever. „Mit Fleisch und Gemüse funktioniert das perfekt“, so Albers.

Denn durch die beiden Fleischereien Janssen und Munk kann die Herkunft des Fleisches lückenlos nachvollzogen werden. Die Gärtnerei Ulferts in Schenum produziert Gemüse, Kartoffeln kommen aus Altfunnixsiel. Und die Bäckerei Klatt bietet nun ebenfalls Schwarz- und Graubrot aus Getreide aus dem Jeverland an.

„Dass es zum Beispiel Tomaten aus jeverschem Anbau gibt, war für die Gastronomen im Netzwerk ein Aha-Erlebnis“, berichtet Albers: Es geht darum, in kleinen Schritten neue Wege des Einkaufs zu finden.


Die beteiligten Gastronomen haben seit Start der Netzwerkarbeit mehrere Gerichte auf der Speisekarte, die zu 95 Prozent aus jeverschen Produkten gekocht sind. „Natürlich wird es schwierig sein, im Januar mit frischen Tomaten aus Jever zu kochen“, sagt Schützenhof-Wirt Stephan Eden. Dennoch garantieren die Netzwerk-Gastromomen, dass alles, was auf der Karte als „regional“ gekennzeichnet ist, auch aus der Region kommt. Und das bedeutet natürlich: Die Gerichte werden saisonal variieren.

Dass Fleisch, Kartoffeln und Gemüse nicht nur regional, sondern auch ökologisch produziert sind, ist für das Netzwerk vorerst nebensächlich – heißt: Wenn Bio-Produzenten ins Netzwerk einsteigen wollen, können sie. Doch darauf liegt nicht der Schwerpunkt. „Für meinen Betrieb ist Nachhaltigkeit in Form von Regionalität wichtiger als irgendein Bio-Siegel“, sagt Eden. Und Fleischer Georg Janssen ergänzt: „Wenn wir krumme Sachen machen würden, würden wir unser Gesicht verlieren. Wir können unsere Betriebe nicht einfach ins Ausland verlegen – also arbeiten wir sauber.“

Denn auch das ist im Netzwerk mitberücksichtigt: Der Kunde kann einfach zum Produzenten gehen und sich anschauen, wie der arbeitet. „Und das ist ganz wichtig für uns: Wir erarbeiten uns das Vertrauen, das die Kunden in uns haben“, betont Janssen.

Demnächst will die Jeverländer Speisenkammer auch Käse ins Sortiment aufnehmen – gar nicht so einfach in Zeiten, in denen alle Milchproduzenten feste Verträge mit Molkereien haben. Doch das Netzwerk hat eine Lösung gefunden: Milch vom Hof Helmerichs wird Anfang November von einer mobilen Molkerei zu Käse verarbeitet – der geht dann ebenfalls in den Verkauf.

Stand beim Brüllmarkt

Um sich bekannter zu machen, wird sich das Netzwerk beim Brüllmarkt, 14. Oktober, mit einem Stand präsentieren. Dort gibt es Infos – und Gerichte aus 100 Prozent regionalen Produkten.

Denn auch das ist dem Netzwerk klar: Die Kampagne muss bekannter werden, es muss mehr Infos geben und Marketing ist ebenfalls notwendig. „Aber die Flyer sind bereits im Druck“, kündigte Janssen an.

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