JEVER - Die Bewertung des Wärmeliefervertrags, den die Kreisverwaltung mit dem Energieversorger EWE abgeschlossen hat, fällt in Friesland unterschiedlich aus. Während die Kreisverwaltung auf finanzielle Vorteile verweist, kritisieren Gegner die lange Vertragslaufzeit. „Das Risiko steigender Preise ist jetzt für den Landkreis überhaupt nicht mehr kalkulierbar“, so Frieslands CDU-Kreisvorsitzender Frank Vehoff. Die Schortenser Ratsfrau und Gaspreis-Protestlerin Dr. Almut Eickelberg hatte bereits darauf hingewiesen, dass durch den Vertrag ein möglicher Protest des Landkreises gegen zu hohe Gaspreise der EWE im Keim erstickt werde.

Wie berichtet, tauscht EWE in 17 Kreisgebäuden – vor allem Schulen und Turnhallen – die Heizungsanlagen aus, betreibt und wartet sie 15 Jahre lang und liefert auch das Erdgas. Im Gegenzug zahlt der Landkreis an EWE einen Grund- und einen Arbeitspreis, mit dem die Investitions- und Gasverbrauchskosten gedeckt werden sollen.

Im Vergleich zu den jetzigen Energiekosten spare der Landkreis durch die effizienteren neuen Heizungsanlagen 2,1 Millionen Euro, so Kreis-Sprecher Sönke Klug. Rechne man gesparte Energie-, Investitions- und Wartungskosten zusammen, komme man über die Vertragslaufzeit von 15 Jahren sogar auf ein Einsparpotenzial von mehr als 2,5 Millionen Euro – das sind rund 166 000 Euro im Jahr.

Der Vertrag beinhaltet allerdings keine Preisgarantie. So muss der Landkreis mit künftigen Gaspreis-Erhöhung der EWE rechnen.

Jahrelang habe der Landkreis Investitionen in neue Heizungsanlagen versäumt, bemängelt Frank Vehoff. Nun stelle er einen Blankoscheck aus, um das Versäumnis nachzuholen. Vehoff fordert, die Vertragsmodalitäten offen zu legen.


Der Landkreis hätte bei einer Eigensanierung 3,5 Millionen Euro in neue Heizungen investieren müssen, argumentiert Kreis-Sprecher Sönke Klug. Das hätte zu neuen Schulden und Zinszahlungen geführt. Zudem könne der Landkreis bei Gaspreis-Steigerungen nicht wie ein Privatkunde einfach den Anbieter wechseln, weil der Gasbezug europaweit ausgeschrieben werden müsse. Auch der Wärmevertrag wurde Klug zufolge europaweit ausgeschrieben und unterliege dadurch strengen Kontrollen. EWE habe als günstigster Anbieter den Zuschlag erhalten. Zudem habe der Kreisausschuss dem Vertrag einstimmig zugestimmt – auch mit den Stimmen der CDU.

Die Vertragslaufzeit von 15 Jahren ist nach Angaben von EWE-Sprecher Reinhard Schenke durchaus üblich und sei zudem Bestandteil der Ausschreibung gewesen.

Details zum Wärmeliefervertrag wollte auch Schenke nicht nennen. Grundsätzlich sei der Vertrag für EWE „im Sinne einer weiteren vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Landkreis ein wichtiger Abschluss“.