JEVERLAND - Im Jeverland wird sich im neuen Jahr viel verändern. In Jevers historischem Zentrum beginnt der Bau des Altstadtquartiers, in Schortens wird die neue Umgehungsstraße Gestalt annehmen, in Sande und Neustadtgödens laufen millionenschwere Projekte zur Dorferneuerung. Flankiert werden diese großen Projekte von zahlreichen kleineren und mittleren Bauvorhaben – vor allem in Heidmühle und Jever, wo inzwischen erkennbar ein Paradigmenwechsel bei der Stadtplanung stattfindet: Weg von neuen Baugebieten auf der „grünen Wiese“ hin zur verdichteten, seniorengerechten Wohn- und Geschäftsbebauung in den Zentren.
Die Wirtschaftskrise, die vor Jahresfrist zu Silvester die Prognosen für 2009 geprägt hat, hat Friesland nicht so hart getroffen wie befürchtet. Kommunen und Privatleute haben 2009 kräftig investiert. Der wohl auch der Wirtschaftskrise geschuldete Trend zum Urlaub im eigenen Land kam als frische Brise dem Küsten- und Inseltourismus zugute. Die Arbeitslosenzahlen haben besonders im Jeverland – flankiert von Stützungsmaßnahmen der Arbeitsagentur – neue Bestmarken erreicht, im Oktober durchbrach die Quote sogar die Sechs-Prozent-Grenze.
„Friesland ist anders“, sagte Landrat Sven Ambrosy am Dienstag bei seiner Jahres-Pressekonferenz angesichts dieser robusten Entwicklung und verwies neben dem Tourismus auch auf Erfolge wie die Ansiedlung des Aeroparks für die Luftfahrtindustrie in Varel.
Bemerkenswert war im Jahr 2009 das sichtbare Interesse der Bevölkerung an politischen Entscheidungen in ihren Kommunen. In Schortens hat der Streit um die Anleinpflicht für Hunde für überfüllte Sitzungssäle gesorgt, in Jever wurde in der Öffentlichkeit kontrovers und leidenschaftlich über die Schließung des Kindergartens in Sandelermöns und die Gestaltung und Finanzierung des Altstadtquartiers gestritten. Von großem öffentlichen Interesse begleitet war auch die Gründung der Gesamtschule in Schortens.
Auf Unverständnis und Enttäuschung stieß der Rückzug des Diakonischen Werks aus dem in Jever mit viel ehrenamtlichem Engagement vorangetriebenen Hospiz-Projekt. Gräben zwischen Friesland und Wilhelmshaven hat der Versuch der Jadestadt aufgerissen, die auf dem TCN-Gelände in Roffhausen ansässige Bertelsmann-Tochter Arvato abzuwerben. Hier steht die endgültige Entscheidung noch aus.
Im Wangerland hat Ute Draschba (46, ovales Bild) am 1. Juli die Nachfolge des ein Jahr zuvor entlassenen Kurdirektors Reinhard Thomssen angetreten. Draschbas Bemühungen, die defizitäre Kurverwaltung zu straffen und neue Impulse zu setzen, wurden durch eine krankheitsbedingte Zwangspause jäh unterbrochen. Inzwischen ist sie wieder an Bord.
Dass das Jeverland ein Tourismusgebiet ist, spiegelte sich auch 2009 im prall gefüllten Veranstaltungskalender wider. Volksfeste und kulturelle Angebote prägten das öffentliche Leben. Ein Höhepunkt war das Landeskulturfest mit 700 Akteuren Mitte Juni vor dem Schloss in Jever.
Überschattet wurde das Jahr von mehreren Todes- und Unglücksfällen. Am 13. Januar sorgte ein Tötungsdelikt in Hooksiel für Aufsehen. Der 46 Jahre alte Mann, der seiner Lebensgefährtin offenbar im Alkoholrausch tödliche Verletzungen zugefügt hatte, wurde im September zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Am 18. August wurde ein zweijähriges Urlauberkind auf einem Parkplatz in Carolinensiel von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Am 18. September starb der Leiter des Gospel-Projekts Jever, Dr. Wolfgang Hülsebus, bei einem Motorradunfall.
In Schortens registrierten die Behörden an Pfingsten den ersten Schweinegrippe-Fall in Niedersachsen. Spektakulär war der Feuerwehreinsatz nach einem Ammoniakaustritt auf dem Brauereigelände in Jever am 30. Juni. Der Zwischenfall erwies sich zum Glück als harmlos.
Aufreger des Jahres war Ende November der Abschuss eines offenbar handzahmen weißen Hirschs bei Jever. Landkreis und Polizei hatten zunächst auf Gefahrenabwehr verwiesen, dann aber eingeräumt, möglicherweise nicht alle Alternativen geprüft zu haben. Nach dem Vorfall hagelte es harsche Kritik am Jäger und an den Behörden.
