JEVERLAND - Viele Bauherren möchten die staatliche Förderung noch mitnehmen. Mit günstigeren Baukosten nach Wegfall der Subvention rechnet im Jeverland niemand.
von ulrich schönborn
JEVERLAND - Nur noch drei Tage Zeit haben Häuslebauer und Wohnungskäufer, wenn sie sich noch die staatliche Eigenheimzulage (siehe Info-Kasten) sichern wollen. Die Große Koalition in Berlin hat die Subvention zum 1. Januar abgeschafft. Diese Entscheidung hat auch im Jeverland zum Jahresende noch einmal Bewegung ins Baugeschäft und den Immobilienhandel gebracht.„Bei uns brennt die Luft“, berichtete gestern Anke Janßen, Sachbearbeiterin im Bauamt der Gemeinde Wangerland. Viele Bürger würden Bauanträge einreichen. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, genügt der Eingangsstempel mit Datum 2005. „Das kriegen wir auch am Freitag noch hin“, sagt Janßen.
Uwe Hagestedt vom Bauamt in Jever hat gestern zwei Anträge auf den Tisch bekommen, zwei weitere wurden telefonisch angekündigt. Auch in Jever zeigt sich die Gemeinde unbürokratisch: „Wer zu den Öffnungszeiten des Rathauses nicht kommen kann, kriegt auch noch einen Termin nach Dienstschluss“, sagt Hagestedt. Viel zu tun hat auch das Bauamt in Schortens. Etwas ruhiger ist es dagegen in Sande.
Auch die Banken verzeichnen erhöhte Nachfrage nach Baukrediten und Immobilien. Viele Bauherren würden für das kommende Jahr geplante Investitionen vorziehen, berichtet Andreas Poppen, Direktor der OLB in Jever. Aber auch Kurzentschlossene wollten die Förderung noch mitnehmen.
Nach Einschätzung der Banker werde sich der Wegfall der Eigenheimzulage im kommenden Jahr auf den Immobilienmarkt auswirken. Allerdings bleibe das Bauen wegen des anhaltend niedrigen Zinssatzes weiter attraktiv, meint Ingo Ritter, Direktor der LzO in Jever.
„Vollkommen absurd“ ist nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Jever, Michael Engelbrecht, die Annahme, der Hausneubau würde nach Wegfall der Eigenheimzulage billiger, weil die Subvention nur einen Mitnahme-Effekt ausgelöst habe. „In unserer Region kalkulieren die Baufirmen ausgesprochen knapp, da gibt es überhaupt keinen Spielraum mehr für Preisreduzierungen“, betont Michael Engelbrecht.
Diese Einschätzung teilt auch Bauunternehmer Gerd Frerichs aus Jever. „Billiger können wir nicht mehr bauen, sonst müssten wir draufzahlen“, sagt er. Auch Einsparungen am Baustandard seien kaum drin. Höchstens bei der Ausstattung der Häuser könne man noch Abstriche machen. Insgesamt seien die Preise aber „völlig ausgelutscht“.
zahlen und fakten zur eigenheimzulage
