JEVERLAND - Schietwetter und leere Strände: Was machen die Urlauber an Frieslands Küste?

Viele machen aus der Not eine Tugend. Sie gehen nur die nötigsten Wege, ansonsten bleiben sie in ihren Wohnwagen oder Ferienwohnungen. „Nur mal schnell raus zum Waschen oder zum Kiosk, ansonsten bleiben wir lieber im Trockenen“, sagt eine Urlauberin, die am Montag in Regenjacke und Gummistiefeln über den Campingplatz in Schillig lief.

Dort sind die Gassen zwischen den Wohnwagen an diesem verregneten Montagvormittag fast menschenleer. Aus den Vorzelten hört man vereinzelnt Stimmen und das Klirren der Teetassen.

„Jetzt können wir mal richtig entspannen“, meint Familie Brösecke aus Bergkamen, die es sich in ihrem Vorzelt gemütlich gemacht hat. Eine gute Urlauberstragie bei schlechtem Wetter sei es, abends ein bisschen länger zu feiern und den Morgen später zu beginnen, sagt Jürgen Brösecke.

Ein paar Gassen weiter wohnt Klaus Brösecke – der Bruder von Jürgen. Zusammen mit seiner Frau Sabine, ihren Kindern und Hündin Laika sehen auch sie die Lage sehr optimistisch. „Morgen wird das Wetter wieder besser“, hoffen sie. Bis es so weit ist, vertreiben sie sich die Zeit mit Gesellschaftsspielen.


Die Nordsee-Touristen sind offensichtlich Regen gewöhnt – verscheuchen lassen sich die meisten davon nicht, so Wangerlands Kurdirektor Reinhard Thomssen. Vereinzelt reisen Camper ab, doch täglich kommen neue an.

Wie lange deren Geduld anhält, ist aber offen. „Ich hatte schon die ersten witterungsbedingten Stornierungen und vorzeitige Abreisen“, berichtet Hotelier Arno Meents aus Horumersiel. Er empfiehlt seinen Gästen Schwimmbad- und Museumsbesuche oder Touren entlang der Küste. „Gerade die Stammgäste kennen das Schlechtwetterangebot aber bereits“, berichtet Meents. Schließlich sei auch der vorige Sommer verregnet gewesen.

Des einen Leid, des andern Freud: Während die Gastgeber in den Küstebadeorten sorgenvoll zum Himmel blicken, profitiert das Hinterland von den Wetterkapriolen. „Die Stadt ist voll“, freut sich Jevers Marketingchef Jochen Gemeinhardt. Die Marienstadt habe sich hinter Wilhelmshaven als Ausflugsziel Nummer zwei in der Region etabliert.

Das bekommt auch der Einzelhandel positiv zu spüren. „Die Leute schauen nicht nur, sondern geben auch Geld aus“, sagt Herrenausstatter Jens Hanenkamp. Wobei zu viel Regen auch nicht gut sei: „Dann gehen die Leute auch nicht mehr shoppen“, so Hanenkamp.

Voll ist es auch in wetterunabhängigen Freizeiteinrichtungen wie den Spielscheunen. „Der Regen ist derzeit unser Segen“, sagt Volker Schiersch, Besitzer der Spielscheune „Bullermeck“ am Außenhafen von Hooksiel.

Auch das neue Spielhaus auf Wangerooge ist derzeit rund um die Uhr rappelvoll mit Kindern. „Wir bieten eine Vielzahl zusätzlicher Angebote an, um die Urlauber bei Laune zu halten“, sagt der stv. Kurdirektor der Insel, Wilhelm Janssen. Abschrecken hat sich allerdings keiner lassen: „Wir könnten weitere 1000 Wohnungen vermieten“, hieß es beim Verkehrsverein.