JEVERLAND - Ein Hubschrauber wird noch bis zum 4. Dezember regelmäßig über dem Jeverland kreisen. Grund sind Untersuchungen des Geomagnetfelds und der Oberflächenstrahlung in der Küstenregion. Zu diesem Zweck schleppt der Hubschrauber, der von Mariensiel aus startet, eine zehn Meter lange Elektromagnetik-Sonde an einem Kabel in etwa 40 Meter Höhe über den Grund.

Kein Flug über Wohnhäuser

Trotz der Bodennähe entstehe keinerlei Gefährdung für die Bevölkerung, versichert Dr. Helga Wiederhold vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG): „Bei den Messflügen wird zwar ein magnetisches Feld aufgebaut, dieses ist jedoch noch geringer als zum Beispiel bei elektrischen Eisenbahnen“, so Dr. Helga Wiederhold. Sie betont zudem, dass bewohnte Gebiete umflogen werden.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) stellt den Hubschrauber zur Verfügung und leitet zusammen mit dem Leibniz-Institut die Messflüge.

Die Sonde nimmt während des Flugs elektromagnetische Messdaten auf, die Aufschluss über die Strukturen im Untergrund bis zu einer Tiefe von 150 Metern geben sollen. So sei zum Beispiel eine Differenzierung von Trink-, Brack- und Salzwasser durch die unterschiedlichen Leitfähigkeiten von Süß- und Salzwasser möglich, erklärt der Sprecher des Geozentrums Hannover, Andreas Beuge.


Die Erkenntnisse sind mit Blick auf den Klimawandel und den Küstenschutz für die Küstenregion von großer Bedeutung, betont Beuge. Die Nordseeküste mit den Inseln, dem Wattenmeer und den Deichregionen sei durch Sturmfluten und den langfristigen Anstieg des Meeresspiegels besonders gefährdet. Mit Hilfe der Messflüge erhoffen sich die Wissenschaftler Informationen, wie durch den Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten besonders betroffene Landbereiche identifiziert werden können.

Blick auf Trinkwasser

Zudem ist die Küstenregion hinter den Deichen Beuge zufolge durch ein natürliches Vordringen des Salzwassers im Untergrund geprägt. Jede Veränderung könne das Trinkwasservorkommen gefährden. „Die Messungen verhelfen Geologen und Wasserversorgern zu einem klaren Verständnis der Verhältnisse im Untergrund“, erklärt Beuge. Dadurch könnten gezielt vorbeugende Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers ergriffen werden.

Daten veröffentlicht

Die bei den Flügen gewonnenen Daten stehen nach einer Auswertung über das „Fachinformationssystem Geophysik“ des LIAG der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Erste Messungen des Hubschraubers fanden bereits im Vorjahr und im Frühjahr 2009 statt. Die aktuellen Ergebnisse aus Jever und Nordenham sollen die Daten aus den Gebieten Esens und Bremerhaven vervollständigen, so Andreas Beuge.

Geplant ist, dass die Hubschraubermessungen auf weitere Teile Deutschlands ausgedehnt werden und somit die Forschung und Landesplanung vereinfachen.