Berlin - Rebellion war vorgestern: Teenager in Deutschland suchen der Sinus-Jugendstudie zufolge den engen Schulterschluss mit der Elterngeneration. Für soziale Absicherung nähmen Teenager eine noch größere Nähe zur Welt der Erwachsenen in Kauf als die „Generation Golf“ vor ihnen, interpretiert Jugendforscher Klaus Hurrelmann das Ergebnis. „Das geht schon in Richtung Überanpassung.“ Hurrelmann schrieb das Vorwort zu der Untersuchung, die Sozialwissenschaftler am Dienstag in Berlin vorstellten.
Forscher werten den ungewöhnlichen Kuschelkurs der Jugendlichen, den es so seit der Nachkriegszeit nicht mehr gab, nicht als Bequemlichkeit. Sie deuten die spürbare Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit vielmehr als eine Reaktion auf Wirtschaftskrisen, Terrorgefahr und eine unübersichtlichere, globalisierte Welt.
Überrascht hat die Wissenschaftler der ausgeprägte Mainstream in der jungen Generation. Viele Teenager, mit und ohne Migrationserfahrung, wollen sein „wie alle“. Auffällige Szene- und Subkulturen sind verschwunden.
Weitere Ergebnisse: Zuwanderung: Toleranz wird in fast allen Jugendmilieus groß geschrieben. Anders als in der Welt der Erwachsenen ist die Sorge vor Zuwanderung kein großes Thema, Teenager zeigten Mitgefühl mit Flüchtlingen. Werte: Oben auf der Prioritätenliste stehen Gemeinschaft, Familie, Sicherheit und Wohlstand. Dazu kommen Freiheit, Toleranz und soziale Werte. Für die Planbarkeit von Leben und Karriere nehmen Jugendliche klassische preußische Tugenden wie Pflichterfüllung in Kauf. Digitale Welt: Für Teenager gibt es zurzeit kein Dasein ohne Internet und Smartphone. Leben heißt „online sein“. Ohne soziale Medien drohe Ausgrenzung, lautet ein Fazit. Die bedingungslose Faszination aber beginnt langsam zu bröckeln: Der Umgang mit neuen Medien ist mit Blick auf die Herausgabe persönlicher Daten zunehmend kritisch. Liebe: Es gibt einen breiten Konsens, dass Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit zentrale Voraussetzungen für eine Partnerschaft sind. Der große Wunsch ist eine stabile Beziehung bis spätestens Mitte 30. Auch der Wunsch nach einer eigenen Familie ist früh da – viele Jugendliche koppeln die Idee aber an einen sicheren Job und guten Lebensstandard.
