Sedelsberg - Obwohl die Bevölkerungsentwicklung im Nordwesten vielerorts noch relativ günstig ist, muss sich die Region anstrengen, um sich angesichts des demografischen Wandels noch genügend Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern. Sie darf sich keinesfalls auf guten Daten „ausruhen“. Das wurde beim 4. Industrie-Forum („Zukunft.4“) im Industriepark C-Port in Sedelsberg (Kreis Cloppenburg) direkt am Küstenkanal deutlich.
Der Forscher Dr. Philipp Liedl (Stasa/Stuttgart) riet dazu, junge Leute möglichst durch gute Bedingungen zu halten – oder sie nach einer zwischenzeitlichen Abwanderung in andere Regionen wieder zurückzugewinnen. Denn seine Studien zum Kreis Cloppenburg und zum Einzugsbereich des C-Ports ergaben, dass viele zwischen 18 und 25 Jahren in Bildungszentren wie Oldenburg, Bremen, Osnabrück oder Vechta abwandern. Um sie anschließend wiederzugewinnen, müsse sich die Region attraktiv machen. Der Wettbewerb zwischen den Regionen werde härter werden, betonte Liedl.
Dr. Michael Hoffschroer (Kreishandwerkerschaft Cloppenburg) riet dazu, sich regional auf die Stärkung der Berufsausbildung und anschließender Weiterbildungsmöglichkeiten zu konzentrieren.
Wichtig sei, jungen Leuten aufzuzeigen, welche Perspektiven ihnen in der Region geboten würden, meinte Ludger Wester, Ausbildungs- und Fachkräfteberater bei der Oldenburgischen IHK. Es gebe hier tolle Betriebe. Junge Menschen sollten mehr über die Chancen erfahren.
Die rasant voranschreitende Digitalisierung werde „ganz andere Arbeitswelten“ und neue Berufsbilder schaffen, prognostizierte Michael Heidkamp, Vertriebsvorstand der Oldenburger EWE. Man werde schneller werden, in kleinen Einheiten arbeiten, vieles ausprobieren und bei Misserfolg schnell wieder einstellen. Als Riesen-Chance stellte er das von der Bundesregierung geförderte Energiewende-Modellprojekt „Enera“ mit mehr als 70 Partnern um EWE und Schauplatz im Oldenburger Land, Ostfriesland und Emsland vor. „Wir bauen die Energiewelt von morgen hier im Nordwesten“, sagte Heidkamp. Daraus, gepaart mit entsprechenden Fachkräften, könne ein „eklatanter Standortvorteil“ werden.
Auch Landes-Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, Sande) betonte einmal mehr die Chancen der Energiewende. Noch weitgehend unerschlossene Teile einer umfassenden Lösung seien „Wärme“ und „Mobilität“. Mehr aus der Energie zu machen – daraus könne ein Standortvorteil erwachsen. Lies plädierte dafür, am Thema „Digitalisierung“ früh in Schulen zu arbeiten. Sie präge die Berufswelt. Die Region sei stark aufgestellt, auch mit Instituten wie Offis und BFE (Oldenburg).
Johann Wimberg als Landrat des Landkreises Cloppenburg betonte die Bedeutung eines Standorts wie des „C-Ports“ für klassische Industrie – mit viel Platz und wenig Beschränkungen. In dem Industriepark am Küstenkanal seien 20 Firmen mit rund 100 Beschäftigten tätig. Aber es sei noch Platz für viel mehr.
