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Wirtschaft Junge Unternehmerin blüht auf

Birkenheide - Ihre Lebensplanung sah eigentlich anders aus: Dass sie mit gerade mal 24 Jahren ein Familienunternehmen führen, Verantwortung für 15 Mitarbeiter tragen, weitreichende geschäftliche Entscheidungen treffen würde, wäre für Carolin Melle vor fünf Jahren nicht vorstellbar gewesen. Der 8. Mai 2011 veränderte alles: An dem Tag verstarb völlig überraschend ihr Vater, der erfahrene und erfolgreiche Gärtnermeister Günter Melle – die in jeder Hinsicht blühende Gärtnerei in Birkenheide stand von einem Tag auf den anderen ohne Inhaber und Chef da.

„Ich war darauf nicht vorbereitet“, gibt Carolin Melle zu. In die väterliche Firma wollte sie schon irgendwann – aber nicht so abrupt. Doch sie nahm die Herausforderung an, und jetzt, vier Jahre später, sieht sie sich auf einem guten Weg: „Das ist jetzt das erste Jahr, in dem ich richtig dabei bin“, strahlt die junge Unternehmerin. Die zweimonatige Sommerblumensaison ist in zwei Wochen vorbei, dann beginnt die Vorbereitung auf den Heide-Großhandel im Herbst, der mittlerweile 70 Prozent des Geschäftes ausmacht. Zudem steht das Jubiläum bevor: Die Gärtnerei Melle wird 2016 70 Jahre alt.

Viel Hin und Her

Die vergangenen Jahre waren anstrengend für Carolin Melle: Ihr Studium in „International Business and Management“ in Groningen hatte sie nach dem Tod des Vaters für ein halbes Jahr unterbrochen, um zu Hause erst einmal die Dinge zu ordnen, sich vertraut zu machen mit den neuen Anforderungen. Aber sie wollte und musste weiter studieren, auch längere Auslands-Praktika in Spanien waren noch erforderlich. „Ich bin viel hin- und hergefahren“, erinnert sich die 24-Jährige. „Aber ich wusste, ich habe hier ein Team, auf das ich mich verlassen kann.“

Das Team wurde und wird von Cord Drücker geführt, dem Betriebsleiter, der schon seit 25 Jahren bei Melle beschäftigt ist und die Kontinuität des Geschäftes sicherstellte. „Er hat die gleichen Ansichten wie mein Vater“, weiß die Tochter. Auch Buchhalterin Wiebke Schütte habe viel Verantwortung übernommen. „Es war für alle eine intensive Zeit“, sagt Carolin Melle dankbar, „die Belegschaft ist über sich hinausgewachsen.“

Besonders 2013 sei ein schwieriges Jahr gewesen: „Der Frost bis in den April hat den Blumen sehr geschadet – und ich war zu der Zeit gerade wieder in Spanien.“ Auch diese Krise wurde mit vereinten Kräften gemeistert. Und seit Anfang dieses Jahres, als sie ihren Bachelor-Abschluss erwarb, kann sich Carolin Melle ganz auf den Betrieb konzentrieren. Sie ist für das Kaufmännische verantwortlich, während Cord Drücker das Gärtnerische managt. „Ich muss erstmal die Abläufe kennenlernen“, gesteht die Inhaberin, die sich in den vergangenen Monaten gelegentlich „wie eine Auszubildende“ vorkam. Fachwissen über Pflanzen müsse sie sich auch noch aneignen, „aber ich brauche auch nicht jede Blume mit ihrem lateinischen Namen zu kennen“, glaubt sie.

Jetzt Zeit für mehr

Immer selbstsicherer tritt die Tochter in die Fußstapfen des Vaters – auch wenn diese groß sind. Ausstellungen und Wettbewerbe, an denen Günter Melle früher regelmäßig und erfolgreich teilnahm, seien in den letzten Jahren „liegengeblieben“, weiß die 24-Jährige. „So etwas nimmt Zeit in Anspruch – aber jetzt habe ich die Zeit.“


Auf Facebook ist das Unternehmen inzwischen auch, eine neue Homepage gibt es schon seit einem Jahr. Sie wolle, sagt die junge Chefin, neben den Stammkunden „ein jüngeres Publikum gewinnen.“ Sie selbst habe ja inzwischen auch einen eigenen Garten – „obwohl Gartenbau früher nicht mein Ding war.“ Jetzt ist das ihr Ding.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)
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