Streekermoor/Huntlosen - Er ist nur zwei bis drei Zentimeter groß, fällt wegen seiner auffälligen gelben Färbung aber durchaus auf – wenn es ihn denn noch gibt: Emus hirtus, ein behaarter Kurzflügler, ist in der Vergangenheit in Deutschland zwar im Prinzip in fast allen Bundesländern nachgewiesen worden, gilt aber oft schon seit Jahrzehnten als verschollen. Das liegt sicherlich daran, dass sein bevorzugter Lebensraum, naturnahe Weiden, immer seltener wird.
Umso größer war im Sommer 2010 die Überraschung, als Diplom-Ökologe Dr. René Krawczynski und Dr. Uwe Füllhaas (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) zwei Exemplare des vom Aussterben bedrohten Emus hirtus auf einem Dunghaufen der Wasserbüffel fanden. Sie führten dies auf die Tatsache zurück, dass die robusten und kälteresistenten Graser ganzjährig auf der Weide gehalten werden und prophylaktisch keine Medikamente verabreicht bekommen. Demzufolge sei im Büffeldung die Mikroflora noch intakt, so dass sich hier noch eine artenreiche Insektenfauna entwickeln könne. Die Krönung sei dabei der Emus hirtus als Insekten jagender Hautflügler.
Der scheint sich mittlerweile auf der Huntloser Weide besonders wohl zu fühlen, denn er hat sich in diesem Jahr geradezu explosionsartig vermehrt und konnte von Peter Biel für eine wissenschaftliche Bewertung mit Hunderten von Aufnahmen dokumentiert werden. Eine Dunguntersuchung hat den außerordentlichen Artenreichtum in einer selten hohen Anzahl von Individuen festgestellt: eine deutliche Bestätigung für den sinnvollen Einsatz dieser Tiere auch zum Erhalt der Artenvielfalt von Fauna und Flora.
Seit 1998 züchtet der Streekermoorer Büffelzüchter Peter Biel Wasserbüffel der Europäischen Mittelmeerrasse. Seit 1998 ist es sein erklärtes Ziel, diese robusten und sehr vielseitig nutzbaren Tiere im Natur- und Landschaftsschutz einzusetzen. Erste Erfolge zeigten sich nach Einsetzen der Herde auf Weiden zunächst in Hatten, dann auch in Projekten außerhalb der Gemeindegrenzen wie im Fehnter Tief bei Aurich, am Steinhuder Meer, in Bückeburg, Bad Sassendorf und dem größten Auennationalpark im Unteren Odertal.
Als wissenschaftlicher Berater stand ihm von Anfang an der November 2009 verstorbene Agrarökonom und Büffelkenner Prof. Dr. Hilmar Zeigert (Oldenburg) zur Seite, mit der er die gewonnenen Erkenntnisse als Leitfaden für den Einsatz der Wasserbüffel in der Landschaftspflege entwickelt und publiziert hat. Mit weiteren Wissenschaftlern der Uni Cottbus und Landschaftsökologen gründete Biel 2008 den „Internationalen Förderverband zum Einsatz des Wasserbüffels als Landschaftspfleger (IFWL), der bundesweit Naturschutzorganisationen, Behörden und Landschaftspflegeverbände bei Fragen zum Einsatz dieser Mega-Herbivoren (große Pflanzenfresser) berät und unterstützt. Die jährlichen Tagungen fänden bei Experten aus Natur- und Landschaftsschutz mittlerweile eine sehr große Resonanz, so Biel.
