Wittenriede - „Wenn die Änderungen des niedersächsischen Landesraumordnungsprogramms so umgesetzt werden wie geplant, dann war es das für unseren Hof“, sagt Dirk Gnieser, Landwirt aus Wittenriede, und sein Berufskollege Dieter Krause stimmt ihm zu: „Das Landesraumordnungsprogramm schürt bei uns Bauern Existenzängste.“

Die neuen Moorschutzpläne, die zum Landesraumordnungsprogramm (LRPO) der niedersächsischen Landesregierung gehören, treiben auch den Wittenrieder Bauern die Sorgen- und Zornfalten ins Gesicht. Viele landwirtschaftlich genutzte Moorflächen sollen künftig zu „Vorranggebieten für Moorschutz und Moorentwicklung“ und wiedervernässt werden.

Ganz Wittenriede ist eine Moorsiedlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Flächen, so Krause, zunächst einen Meter abgetorft und dann zwei Meter tiefgepflügt worden. Die Hof­stellen seien zu zwei Dritteln an Flüchtlingsfamilien aus der Landwirtschaft und zu einem Drittel an hiesige Bauern vergeben worden.

„Unsere Großeltern und Eltern haben diese Kulturlandschaft geschaffen. Gniesers und wir stammen aus Flüchtlingsfamilien, die besondere staatliche Zuwendungen bekommen haben, wie über 50 Jahre laufende, günstige Darlehn für den Bau von Boxenlaufställen in den 1980er Jahren. Doch nun sollen uns Bauern die wirtschaftlichen Grundlagen genommen werden. Die hofnahen Grünflächen sind für uns Milchbauern unsere Existenzgrundlage, wir können auf diese Flächen nicht verzichten“, sagt Dieter Krause.

„Wir benötigen diese Weideflächen für unser Jungvieh, für die Grassilage, als Futtergrundlage für unsere Kühe, Einschränkungen können wir nicht hinnehmen“, ergänzt Dirk Gnieser.


Die Weidefächen in ihrem jetzigen Zustand seien nicht nur Wirtschaftsgrundlage für die Familien (bei Krauses sogar für drei), sondern auch für die Hofnachfolger. Von den 14 Wittenrieder Höfen hätten sieben, darunter auch Krause und Gnieser, Kinder, die Landwirte werden wollten.

Da Moorgebiete nach dem neuen Landesraumordnungsprogramm auch vernetzt werden sollen (z.B. das Dänikhorster Moor mit dem Fintlandsmoor und weitere in der Nachbarschaft liegende kleinere Moore), befürchte man, dass angrenzende oder dazwischen liegende Flächen auch von der Wiedervernässung erfasst würden. Wichtige Drainagen auf dem eigenen Land dürfe man künftig nicht erneuern, man müsse die Anhebung des Wasserstandes dulden und und könne obendrein wegen neuer Abstandsregelungen z.B. keine weiteren Güllebehälter zur gesetzlich geplanten längeren Lagerung von Gülle bauen.

„Sich für den Moorschutz einzusetzen klingt ja toll, aber die Auswirkungen, die diese Pläne haben, sind Minister Meyer und vielen anderen gar nicht klar“, sagt Dirk Gnieser. Er und Dieter Krause wollen sich demnächst mit anderen Bauern aus der Gemeinde zum Erfahrungsaustausch treffen. Einziges Thema: das LROP.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede