KAIRO - Ganz vorn dabei sein bei den Erneuerbaren Energien – das ist das Ziel der Wüstenstrom-Initiative Desertec. 13 deutsche Unternehmen haben diese vor einem Jahr ins Leben gerufen. Und es geht voran: Der Spatenstich für das erste solarthermische Kraftwerk in der Wüste von Zentralmarokko dürfte früher erfolgen als zunächst geplant.

Schon im ersten Jahr ist viel passiert: Die Regierungen von Algerien, Marokko und Tunesien sitzen bei Desertec inzwischen mit im Boot. Auch in Libyen, Ägypten und Jordanien stößt der ambitionierte Plan, an dem Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitgewirkt haben, auf großes Interesse. Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) hat sich von Desertec als Berater anheuern lassen.

Schneller als ursprünglich geplant will Desertec mit dem Bau der ersten solarthermischen Anlage in Zentralmarokko beginnen. Die Anlage soll eine Leistung von 250 Megawatt haben und damit schon mehr Strom produzieren als die bisher weltweit größte Anlage, die in der nordamerikanischen Mojave-Wüste steht.

„Wir haben in Marokko ein Gebiet ausgewählt, wo die Sonneneinstrahlung gut ist und wo es nicht zu viel Staub in der Luft gibt“, so Desertec-Chef Paul van Son. Der Niederländer treibt die Planung der Pilotanlagen voran. Mit ihnen will die Initiative beweisen, dass ihre Idee nicht nur schön klingt, sondern auch tragfähig ist.

Kern der Desertec-Vision ist es, zunächst einen Teil des Stroms aus Windenergie und Solarkraftwerken zu gewinnen, den die nordafrikanischen Ländern verbrauchen. Anfangs wird dies allerdings noch ein Zuschussgeschäft sein, da die Produktionskosten derzeit noch deutlich höher liegen als für den Strom aus fossilen Brennstoffen.


In einem zweiten Schritt soll dann zusätzlicher Strom produziert werden, der über das Mittelmeer durch Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen nach Europa geliefert werden soll. Von Ende 2015 an könnte der erste Strom nach Europa fließen, sagte Desertec-Projektleiter Ernst Rauch jetzt der „Süddeutschen Zeitung“.

Paul van Son bemüht sich, nüchtern zu bleiben – trotz der Begeisterung für das Projekt, die ihm überall entgegenschlägt. Er weiß, dass die geschätzte Investitionssumme von 400 Milliarden Euro nicht mehr ist als eine Hausnummer. „Man muss den Bären auch schießen, um ihn verteilen zu können“, sagt er, während er mit dem Bus durch die Wüste ruckelt. Karg und unbeschreiblich heiß ist es hier. Das ist ein Klima ganz nach dem Geschmack des Desertec-Chefs.