Kampe - In der Oldenburger Fleischmehlfabrik in Kampe (OFK) sind die Hoffnungen größer als die Möglichkeiten. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) würde im schlimmsten Fall – wenn in Deutschland auch Hausschweine betroffen sind – die Kapazitäten der Tierkörperbeseitigungsanlage bei weitem überschreiten.

Schon im Frühjahr vergangenen Jahres, als in der Region rund 800 000 Puten beseitigt werden mussten, reichte die Anlage in Kampe nicht aus. Diese kann jährlich 220.000 Tonnen verarbeiten und ist damit die größte ihrer Art in Deutschland. Eine Tierkörperbeseitigungsanlage in Belm bei Osnabrück musste aushelfen.

„Wir sind in allen Kategorien ausgelastet“, sagte OFK-Geschäftsführer Thomas Groß auf Nachfrage der NWZ. Kapazitäten sind nicht immer auf Anhieb zu finden.

Die Beseitigung von Wildschweinen selber sei dabei ein kleines Problem, sagte Groß. Aber im Falle eines ASP-Ausbruchs bei einem Wildschwein würde Deutschlands Export von Schweinefleisch zusammenbrechen. Für die gesamten Nebenprodukte – das sogenannte „fünfte Viertel“ reicht vom Kopf über die Haut und den Schwanz bis zu den Knochen – gäbe es keine Absatzwege mehr. Heute geht ein Großteil nach China.

Diese Produkte, die die Schlachtereien nicht mehr absetzen könnten, kämen zusätzlich auf die Tierkörperbeseitigung in Kampe zu. Und Schweineschlachtereien gibt es im Einzugsgebiet von Kampe mehr als genug, unter anderem in Sögel (Weidemark), Emstek (Vion), Garrel (BMR, Goldschmaus), Cloppenburg (Sprehe), Essen (Danish Crown) und Lohne (Schmitz, Brand) – allein acht mit einer Kapazität von mehr als 50 000 Schweinen am Tag.


„Allein die nötige Kapazität für die Knochen ist enorm“, meint Groß. Deshalb lotet er bereits zusammen mit anderen Tierkörperbeseitigungsanlagen, deren Anzahl in den letzten Jahren in Deutschland eher reduziert wurden, neue Absatzwege für die in der Anlage in Kampe entstehenden Produkte aus.

„Wir müssen beweisen, dass es kein Übertragungsrisiko gibt.“ Das Testat könnte die Bundesanstalt für Risikobewertung (BfR) ausstellen. „Da sind wir dran“, sagt Groß. Wenn die BfR die Produkte frei gibt, könnte es abnehmende Länder geben.

Auch andere Szenarien – Verbrennung in Zementfabriken oder in Kraftwerken – werden durchdacht. Wenn allerdings auch Hausschweine betroffen sind und in der Region mit rund sieben Millionen Schweinen im Bestand Tötungen erfolgen müssen, reicht auch die Kapazität der Kamper Anlage nicht aus.

In solchen Fällen ist es zur Seuchenprävention erforderlich, die Tierkadaver zu vergraben. Hierzu dienen so genannte Wasenplätze, die von den zuständigen Behörden vorgehalten werden. „Dafür wären die Landkreise zuständig“, klärt Groß auf.

Die Schweinemäster würden eine Entschädigung von der Tierseuchenkasse erhalten. Rund 10,7 Millionen Schweine sind in Niedersachsen versichert. Allerdings wird nur der aktuelle Schweinepreis entschädigt. Für weitere Schäden kommt die Zwangskasse nicht auf. Deshalb stellen die Versicherungen im Moment eine starke Nachfrage fest.

„Für die Ertragsschaden-Versicherung gibt es nur vier Anbieter“, weiß Rainer Behrens, der in Bösel ein Büro der Öffentlichen Versicherung führt. Die Nachfrage sei vor Ort und erst recht in der Zentrale stark. Die Höhe des Beitrages richtet sich nach der Art (Sauen, Ferkel, Mastschweine) und den Tierplätzen. „Und dann kommt es auch auf die Eigenbeteiligung an.“

Für 400 Mastschweine nehmen die Versicherungen eine jährliche Prämie von etwa 2000 Euro.

Nach bisheriger Praxis dürfen Wildschweine ab 1. Februar nicht mehr bejagt werden. Noch ist die Schonzeit nicht aufgehoben. Und auch die Abschussprämie von 50 Euro ist nur ein Almosen. Der Markt für Wildschweinfleisch ist völlig zusammengebrochen; zwei Euro pro Kilogramm wurde Anfang der Woche gezahlt.

Tschechien hat daher die Abschussprämie deutlich angehoben: auf 315 Euro im Sperrbezirk um Zlin. Ein echter Anreiz. An einem Wildschwein verdient ein Jäger damit doppelt so viel wie derzeit ein Schweinehalter. Die Rechnung scheint auch aus Gründen der Biosicherheit aufzugehen. Weitere Schweinepestfälle werden derzeit aus Tschechien nicht gemeldet.