KAMPE - KAMPE - Die „Verwesungs- und Kadavergerüche mit süßlich, aasigem Charakter sind penetrant und führen zu Übelkeit und Brechreiz“, sagt Rolf-Dieter Kleen. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Betreiber der Fleischmehlfabrik in Kampe.

Die nur 700 Meter von seinem Wohnhaus entfernte Großanlage für die Verwertung von Schlachtabfällen und Tierkörpern werde nicht entsprechend den Genehmigungsauflagen gefahren. Das führe zu zunehmenden und anhaltenden Geruchsbelästigungen, sagt Kleen, der in seinem Mehrfamilienhaus in Kampe drei Wohnungen vermietet hat. Wegen des Gestanks haben Mieter bereits gekündigt. Kleen: „Ich habe erhebliche Mietausfälle zu beklagen.“

Kleen hat nun juristische Schritte gegen die Fleischmehlfabrik eingeleitet. Sein Rechtsanwalt Rainer Munderloh aus Oldenburg schreibt an die Fabrik und das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg, die Geruchsbelästigungen träten schubweise auf und dauerten in der Ortschaft Kampe in Extremfällen tage- und nächtelang. Kleen und weitere Kamper haben das Auftreten des Gestanks seit Januar protokolliert. Kleen: „Die zulässigen Grenzwerte werden überschritten.“

Als einen der Gründe für die Geruchsbelästigungen verweist Munderloh auf Erkenntnisse Kleens, nach denen die Fleischmehlfabrik in den Nachtstunden die Leistung der Abluftreinigung herunter fahre, um Kosten zu sparen. Der Gestank über Kampe werde vorsätzlich ausgelöst. Die Zustände in der Fabrik seien unerträglich und rechtswidrig.

„Wir nehmen die Beschwerden aus Kampe sehr ernst,“ reagierte Uwe Rottmann, Leiter des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Oldenburg, auf die Klagen der Bürger. In den vergangenen zwei Jahren sei es von verschiedenen Anwohnern wiederholt zu Beschwerden über Geruchsbelästigungen gekommen, bestätigte Rottmann. Seine Behörde gehe jeder einzelnen Klage nach: „Manchmal sind unsere Leute täglich zu Überprüfungen auf dem Gelände der Fabrik.“ Dort habe es betriebstechnische Probleme gegeben, die aber im Zusammenwirken mit den Mitarbeitern der Fabrik gelöst worden seien.


Hinweise auf eine Überschreitung der genehmigten Verarbeitungskapazitäten, wie sie Rechtsanwalt Munderloh beanstandet, gebe es jedoch nicht. Rottmann: „Das haben wir aktuell nicht festgestellt und würden wir auch nicht akzeptieren.“ Den neuen Vorwürfen der Anlieger werde seine Behörde jedoch konkret nachgehen und sie vor Ort überprüfen, sicherte Rottmann am Freitag im Gespräch mit der NWZ zu.

Ingo Coners, Geschäftsführer der Oldenburger Fleischmehlfabrik, wies auf Anfrage gegenüber der NWZ die Vorwürfe der Kamper Anwohner zurück. Zwar habe es „vor einiger Zeit Probleme mit der Umladehalle“ gegeben. Die Schwierigkeiten seien jedoch abgestellt worden. Beim Betrieb der Fleischmehlfabrik werde nicht gegen bestehende Vorschriften verstoßen. So würden auch die genehmigten Verarbeitungsmengen eingehalten. Die Abluftanlage sei nicht manipulierbar. Sie laufe vollautomatisch.