Kampe/Husbäke - Es tut sich etwas auf dem Gelände der ehemaligen Heimvolkshochschule Husbäke: Dort, wo einst hohe Bäume und viele Sträucher den Blick auf den historischen Gebäudekomplex erschwerten, kann man nun von der Küstenkanalstraße aus die gesamte Anlage sehen. „Privatgrundstück – Betreten verboten“ heißt es auf Hinweisschildern, die an der Grundstücksgrenze stehen.

Schon seit dem vergangenen Winter wird in den Gebäuden kräftig gebaut. „Hier sollen 13 neue Wohnungen entstehen, die zwischen 70 und 100 Quadratmeter groß sind“, sagt Jürgen Warnkens vom Reifenservice Kampe. Der Unternehmer hat den Gebäudekomplex gekauft und will dort künftig zusammen mit seiner Frau auch selbst wohnen. Wann man einziehen könne, stehe noch nicht fest. „Hoffentlich noch dieses Jahr“, so Warnkens.

„Weil Stellplätze hergerichtet werden müssen und Gartenhäuser aufgestellt werden, weil wir Platz für Mülltonnen und Ähnliches benötigen, wurden einige Bäume und viel Strauchwerk auf dem Gelände entfernt“, sagt der neue Investor. Diese Fällaktion während der Brut- und Setzzeit hatte ein Bürger während der jüngsten Edewechter Ratssitzung kritisiert.

Doch das Fällen von Bäumen und Entfernen von Sträuchern auf dem eigenen Grundstück ist rechtens, sofern man den Artenschutz berücksichtige und zum Beispiel keine Bäume oder Sträucher mit Nestern zerstöre, heißt es dazu aus dem Ammerländer Kreishaus.

Der Husbäker Gebäudekomplex, den der Investor aus Kampe erwarb, hat eine bewegte Geschichte. Anfang der 1920er Jahre waren die Gebäude entstanden, die als Heimvolkshochschule genutzt wurden. Unter Leitung der Oldenburger Pädagogin Bertha Ramsauer wurden auswärtige Schülerinnen in Hauswirtschaft ausgebildet, darüber hinaus gab es hauswirtschaftlichen Unterricht und schulähnliche Fortbildungsveranstaltungen für junge Frauen aus anderen Bauerschaften.


Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten (NS) verwandelten NS-Organisationen die Einrichtung – wie es der Edewechter Chronik zu entnehmen ist – in eine Reichsheimmütter- und Reichsbräuteschule unter dem Dach des nationalsozialistischen Deutschen Frauenwerkes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Kriegsflüchtlinge untergebracht, später wurden hier ein Altenheim und ein Krankenhaus eingerichtet, berichtet der Husbäker Chronist Wilfried Kuhlmann. Die Fleischwarenfabrik Meica kaufte den Komplex in den 1970er Jahren. Mitarbeiter des Unternehmens – Gastarbeiter und später Arbeitskräfte, die nach der Wiedervereinigung aus den neuen Bundesländern kamen – lebten hier. Später kaufte ein Investor aus Sachsen das Anwesen.

Von ihm mietete die Gemeinde Edewecht Ende 2015 den Komplex. 80 Flüchtlinge – alleinreisende Jugendliche und Flüchtlingsfamilien – sollten hier untergebracht werden. „Doch nur rund ein halbes Jahr lebten dort einige Flüchtlinge“, sagt Rolf Torkel, Allgemeiner Vertreter der Edewechter. Der Investor habe die Gebäude nicht vertragsgerecht herrichten lassen. Die Gemeinde kündigte deshalb den Mietvertrag, die Flüchtlinge wurden anderweitig untergebracht.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede