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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Karl Harms im Interview: Oldenburgischer IHK-Präsident zieht positive Bilanz

29.12.2010

Zum Ende seiner Amtszeit zieht der Oldenburgische IHK-Präsident Karl Harms im Interview eine positive Bilanz. Harms betont die Bedeutung des Jade-Weser-Ports und des weiteren Ausbaus der Infrastruktur. Im Tourismus müssten allerdings neue Trends genutzt werden.

Herr Dr. Harms, Ihre Amtszeit als Präsident der Oldenburgischen IHK geht nach zwei Vollversammlungsperioden zu Ende. Und, stellt sich Wehmut ein? Harms: Nein, es war eine gute Zeit, an die ich auch immer gern zurückdenken werde. Ich werde mich auch weiterhin nach Kräften für die Wirtschaft der Region einsetzen – wenn auch nicht im Präsidentenamt. Warum machen Sie nicht  weiter an der IHK-Spitze? Harms: Die Vollversammlung hat in meiner ersten Amtsperiode die Satzung so geändert, dass der Präsident nur einmal wiedergewählt werden kann. Das ist sinnvoll. Denn es müssen von Zeit zu Zeit neue Köpfe an die Spitze rücken. Was werden Sie persönlich mit der zusätzlich zur Verfügung stehenden Zeit machen? Harms: Ich werde einige Vorhaben verwirklichen, mit deren Planung ich mich schon längere Zeit befasse. Das ist einmal der Neubau eines großen Wohn- und Einkaufs-Quartiers in meiner Heimatstadt Jever. 2011 werden wir mit dem Bau beginnen. Zudem werde ich mehr Zeit für mein Unternehmen Certus haben. Certus entwickelt elektronische Sicherheits- und Erfassungstechnik für den Handel und für Bibliotheken. Nach Abschluss der Entwicklung steht im Frühjahr die Markteinführung einiger Radiofrequenz-Erkennungsprodukte (RFID) an. Inwiefern ist das Oldenburger Land in Ihrer Amtszeit denn vorangekommen – etwa bei der Infrastruktur? Harms: An erster Stelle ist das Großprojekt Jade-Weser-Port zu nennen, das der Region starke Impulse geben wird. Aber wir haben auch den Ausbau der Europastraße 233 und – ganz wichtig – die Planungen für die Küstenautobahn A20 vorangetrieben. Die regionale Wirtschaft hat hier 750.000 Euro für die Planungskosten aufgebracht, ebenso wie Land und Kommunen. Das ist ein sehr, sehr wichtiges Projekt. Warum? Harms: Diese Autobahn führt den norddeutschen Raum, insbesondere den Küstenraum, in eine positive wirtschaftliche Zukunft. Bisher vernachlässigte, schlecht erreichbare Gebiete werden ein ganzes Stück nach vorn gebracht. Der betreffende Abschnitt vollendet eine europäische Magistrale, die dann von Nordosteuropa bis nach Frankreich führt. Heute besteht hier nur noch eine gut 100 Kilometer große Lücke von der neuen Elbquerung bis Westerstede. Es werden neue Industrie- und Gewerbegebiete, Logistikzentren und Arbeitsplätze entstehen – insgesamt eben eine neue Wachstumsachse. Außer einer idealen Verbindung der norddeutschen Seehäfen wird sie u.a. eine Autobahnverbindung für die Boombranche des norddeutschen Flugzeugbaus sein. Sie haben noch nicht die A1 erwähnt... Harms: Stimmt, der Ausbau auf drei Spuren ist endlich erfolgt. Die A1 wird nun mit der kommenden A20 den Ost-West-Verkehr, der sich in absehbarer Zukunft verdoppeln wird, aufnehmen. Zur Bahn. Seit Jahrzehnten wird der Ausbau der Strecke von Wilhelmshaven nach Oldenburg gefordert. Harms: Ja, auch dieses Projekt wird jetzt endlich umgesetzt. Letztlich genauso wichtig ist aber ein erheblicher Kapazitätsausbau des Netzes im Raum Bremen und darüber hinaus: die Y-Trasse Bremen/Hamburg-Hannover. Sie ist unersetzlich. Sonst kommt der zu erwartende hafenorientierte Verkehr dort ins Stocken. Der Einzelhandel liegt Ihnen – allein wegen Ihrer beruflichen Laufbahn – sehr am Herzen. Was hat sich hier getan? Harms: Die IHK setzt sich intensiv für die Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels ein. Insbesondere empfehlen wir den Kommunen die Erstellung von Einzelhandelsentwicklungsgutachten und begleiten diesen Prozess vielerorts. Wir halten es für dringend erforderlich, die Entwicklung des Einzelhandels unter strikter Beachtung des Landesraumordnungsprogramms voranzubringen. Dieses LROP ist Garant für die Stärkung des innerstädtischen Handels. Ein zentraler Wirtschaftsfaktor für den Kammerbezirk ist der Tourismus. Gab es hier in Ihrer Amtszeit Fortschritte? Harms: Ganz klar: ja. So hat etwa die Kooperationsbereitschaft der Kommunen zugenommen. Wichtig ist aber auch, dass wir noch entschiedener am Markt mit einer Stimme sprechen. Die Dachmarke „Nordsee“ sollte für alle angrenzenden Bundesländer gelten. Ich könnte mir auch gut wieder Seebäderverkehr zwischen der niedersächsischen Nordseeküste und Schleswig-Holstein vorstellen! Inhaltlich müssen wir uns vor allem darum bemühen, dass die Aufenthaltsdauer der Gäste wieder länger und die Saison ausgedehnt wird. Und wir müssen neue Trends aufgreifen. Wie etwa Gesundheit bzw. Wellness? Harms: Genau. Ich freue mich, dass innerhalb der Metropolregion, deren Aufbau wir in meiner Amtszeit sehr unterstützt haben, die Gesundheitswirtschaft bzw. der Gesundheitstourismus ein thematischer Schwerpunkt geworden ist. Dies war übrigens einer der Gründe, weshalb der Landkreis Osnabrück der Metropolregion beigetreten ist. Weitere sehr starke Impulse für diesen Wirtschaftsbereich sind von der „European Medical School“ zu erwarten, also dem Medizinstudiengang in Oldenburg und Groningen. Das finde ich wunderbar. Stichwort Metropolregion. Bringt sie den Nordwesten wirklich voran, oder ist dies nur ein weiterer bürokratischer Apparat? Harms: Dieser Verbund wird – als einzige deutsche Metropolregion – zu 50 Prozent von der regionalen Wirtschaft getragen und geformt. Er hat bereits auf mehreren Feldern eine sehr positive Wirkung entfaltet. Ich denke an die Kooperationen im Ernährungs-, Automotive- und Kulturbereich. Auch die beteiligten IHKs in Oldenburg, Bremen, Bremerhaven und Stade – und 2011 auch Osnabrück – arbeiten nun noch enger zusammen. Auch auf Landesebene ist neue Dynamik spürbar geworden. Harms: Ja, darüber freue ich mich sehr. Man zieht an einem Strang. Der niedersächsische IHK-Verbund NIHK hat wieder Gewicht. Leider sind die Kammern Hannover und Braunschweig noch nicht dabei. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Kammerbezirks auf mittlere Sicht? Harms: Die Perspektiven für den Nordwesten sind so gut wie nie zuvor! Basis sind unsere regionalen Unternehmer und der Mix von zukunftsträchtigen Branchen – wie zum Beispiel Flugzeugbau, Autoindustrie, maritime Wirtschaft, Ernährungswirtschaft, Maschinenbau, Tourismus und Energie. Wird die Erfolgsstory des Oldenburger Landes und des Nordwestens überregional genug wahrgenommen? Harms: Ja, sicher. Die Botschafter sind die vielen starken und erfolgreichen Unternehmen unserer IHK. Sie haben die Krise besser gemeistert als die in anderen Regionen. Dazu beigetragen hat auch die Kooperation aller Beteiligten innerhalb der Region wie auch innerhalb der Betriebe, zu der ich übrigens in meiner Neujahrsrede zu Beginn des Krisenjahres 2009 aufgerufen hatte. Kann die Erfolgsstory weitergehen? Wird genug ausgebildet? Harms: Ja. Ich bin sehr stolz auf die Ausbildungsleistung unserer Betriebe. Wir haben heute fast 40 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge als zu Beginn meiner Präsidentschaft. Das ist ein toller Erfolg für alle Beteiligten!

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
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