Habbrügge - Peter Abel kennt das schon. Wenn sich Weihnachten und vor allem Silvester nähern, dann steigt der Karpfen-Konsum. Dann rollen Lieferungen von „Forellen-Abel“ vermehrt ins Ruhrgebiet oder nach Baden-Württemberg, zu Silvester dann verstärkt nach Berlin. Denn vielerorts liege zum Jahresausklang traditionell der Speisefisch mit dem ausstülpbaren Maul auf dem Teller. Und in Ganderkesee? Da könne der Karpfen an der Ladentheke der Forelle nicht das Wasser reichen, sagt der Unternehmer – was ihn aber nicht sonderlich stört: „Schließlich heißt unsere Firma Forellen-Abel und nicht Karpfen-Abel.“

Von den Fischen, die im Laden des Unternehmens in Habbrügge verkauft werden, entfalle sicherlich mehr als die Hälfte auf die Forelle und ihre nahen Verwandten, schätzt der 40-Jährige. Auf den nächsten Plätzen würden Seefisch und Lachs folgen. Und Karpfen? „Ich weiß nicht, ob es einen Platz 100 im Ranking noch gibt“, flachst Abel.

„Die Kunden, die Karpfen mögen und die ihn zubereiten können, werden nicht mehr“, beschreibt der Unternehmen den Trend. Der Geschmack des Speisefisches ist unter Gourmets umstritten, Kritiker finden ihn „strohig“, Fans schwärmen vom „nussigen Aroma“. Der Karpfen, so erklärt Abel, sei ein Fisch, der „gründelt“, also am Boden von Seen schwimmt. Dadurch schmecke er nach dem Abfischen modrig und müsse erst einmal ein paar Tage „hältern“, also in klarem Wasser schwimmen. Das Falkenburger Unternehmen bezieht seine Karpfen aus diesem Grund aus Aqua-Kulturen insbesondere in Tschechien.

Und was das Zubereiten angeht: Hier gelte ganz allgemein, dass Menschen heute weniger Zeit in der Küche verbrächten als frühere Generationen. Statt des ganzen Fischs würden bereits verarbeitete Produkte wie Filets gekauft.

Zu diesem Trend hätten wohl auch die Vernachlässigung der Hauswirtschaftslehre in der schulischen Ausbildung sowie die mangelnde Wertschätzung der Hauswirtschaft beigetragen, denkt Seniorchefin Hannegret Abel. Zurzeit erlebe das Kochen durch die vielen Koch-Shows im Fernsehen zwar wieder eine Aufwertung – aber die habe sich im Einkaufsverhalten an der Ladentheke bislang kaum ausgewirkt.


Ohnehin werde an Silvester „anders gekocht – einfacher“, hat Peter Abel beobachtet. Geräucherte Forelle, Lachsfilet oder Salate würden bevorzugt. Und zu den Rennern zähle, was auch als Katerfrühstück verbreitet ist: Rollmops, Brathering und Matjes. Abel amüsiert: „Ob das für Silvester ist oder für den Tag danach, kann ich natürlich nicht sagen.“