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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Manager: Karriere-Sprungbrett in der Wesermarsch

12.11.2011

DüSSELDORF Eine Meldung in der „Börsenzeitung“ signalisierte im Sommer den Durchbruch: „Terex bei Demag endgültig am Ziel“, lautete der Titel. Der US-Maschinenbaukonzern Terex hatte 81,8 Prozent der Aktien des deutschen Kranbauers Demag Cranes AG (Düsseldorf) eingesammelt – und ihn damit unter Kontrolle gebracht. Die Demag-Cranes-Aktionäre bekamen pro Aktie 45,50 Euro. Dass so viel gezahlt wurde – 3,75 Euro mehr als zunächst geboten – ist dem Demag-Vorstandsvorsitzenden Aloysius Rauen (54) zu verdanken: Er hatte sich gegen den zunächst als feindlich klassifizierte Übernahmeversuch beharrlich gewehrt und erzwang damit letztlich die Nachbesserung des Angebots. Dann empfahl das Management mit Rauen an der Spitze die Annahme.

Im Mittelpunkt dieser wohl spannendsten Übernahmeschlacht 2011 in Deutschland stand ein Manager, der auch im Nordwesten bekannt ist: Rauen war in den 90er Jahren Leiter des Airbus-Werkes in Nordenham (Wesermarsch). Er kam damals von MBB, wo er für das Kampfflugzeug „Tornado“ zuständig war.

An der Unterweser hatte der aus Lengerich stammende Rauen erstmals Gesamtverantwortung für einen Standort. Die Erfahrungen seien „wertvoll“ gewesen, sagt er heute. „Die Aufgaben als Werksleiter haben mein Verständnis von unternehmerischer Führung und Verantwortung entscheidend geprägt“, blickt Rauen auf die Nordenhamer Zeit zurück.

Nach außen hin wirkte der in Technik vertiefte Ingenieur damals eher unauffällig, wie ein Blick ins Archiv zeigt. Zu den wenigen öffentlichen Auftritten gehörte eine Richtung weisende Kooperation mit der Nordenhamer Realschule I.

Wie alle anderen Airbus-Werksleitern aus der Region ging es Rauen primär um die reibungslose Produktion im aufstrebenden Airbus-Verbund – und weniger um Außendarstellung. So wie auch dem Menschenschlag in der Marsch. Darauf hält Rauen noch heute große Stücke. „Freundschaft und Anerkennung der Menschen in der Wesermarsch erhält man nicht geschenkt – man muss sie sich erarbeiten“, sagt er. „Aber wenn man das geschafft hat, weiß man, woran man ist und was man hat!“

Gleichwohl zog er weiter. Für Aloysius Rauen war das auf Rumpfsegmente spezialisierte Werk in der Wesermarsch (heute Premium Aerotec) ein Karriere-Sprungbrett: 1995 wurde er von Nordenham aus Leiter des Bereichs Militärflugzeuge der Daimler-Benz Aerospace AG, 1997 dann Mitglied der Gesamtgeschäftsleitung und im Jahr 2000 Leiter der Konzernstrategie der Daimler-Chrysler AG. Ende 2000 wechselte er zur EADS und wurde 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Tochter des EADS-Konzerns sowie schließlich 2004 Vorsitzender der Geschäftsführung der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH.

Zu den Projekten, die er voranbrachte, zählen Eurofighter, Militärtransporter A 400M sowie neue Hubschrauber. „Seine Begeisterung war ihm deutlich anzumerken“, heißt es in Berichten. Rauen flog mehrmals selbst in Kampfflugzeugen mit. Als einer seiner größten Deals gilt der Verkauf von „Eurofighter“-Jets nach Österreich, der Durchbruch im Export.

Und er hatte als EADS-Manager auch wieder mit der Wesermarsch zu tun: Im langjährigen Kampf um die Erhaltung der Flugzeugwerft ASL in Lemwerder spielten immer wieder Wartungs- oder Teile-Aufträge für Militärflugzeuge (vor allem Transall) eine Rolle. Das war zum Beispiel 2003 so, als EADS den Standort übernommen hatte. Rauen nahm auch an Gesprächen mit einer Betriebsratsdelegation teil. Kürzlich wurde der Standort – wie mehrfach berichtet – geschlossen. Damit hatte Rauen, der als Musik- und Weinliebhaber gilt, allerdings nichts mehr zu tun.

Er war im Frühjahr 2009 zu Demag Cranes gewechselt – einem gerade schwächelnden Vorzeigeunternehmen des Maschinenbaus, das für leistungsfähige Hafen- und Industriekrane berühmt ist.

Zwar sagte Rauen laut der „Financial Times Deutschland“ einmal: „Es gibt definitiv einen Unterschied zwischen dem Sex-Appeal eines Kampfflugzeuges und dem eines Krans.“ Doch seine Zeit bei Demag Cranes wurde viel spannender als gedacht.

2011 griff der US-Konzern Terex – im Nordwesten bekannt durch sein erfolgloses Engagement beim Bagger-Bauer Atlas (Ganderkesee) – nach der Maschinenbauperle (Umsatz eine Milliarde Euro/5700 Beschäftigte).

Rauen nahm den Kampf auf, focht monatelang öffentlich erst für die Unabhängigkeit und dann für einen höheren Preis. „Aloysius Rauen – der gejagte Demag-Chef“, beschrieben Medien die Situation. Doch Rauen ist selbst passionierter Jäger. Mit Treffsicherheit hat er den Kampf um Demag überstanden.

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Das imponierte den Aktionären – und sie genehmigten ihm noch schnell eine Vertragsverlängerung bis 2017, bevor Terex das Kommando übernahm.

Rauen aber denkt noch heute gern an die Wesermarsch zurück. Sie habe „ihren eigenen, ganz besonderen Charme, und den gilt es zu entdecken“, sagt er.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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