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Landwirtschaft Kartoffeln als zweites Standbein

Rahel Arnold

Elisabethgroden - Besonders arbeitsintensive Wochen liegen hinter Landwirt Ingo Schild in Elisabethgroden. Die hat er mit seinem zweiten wirtschaftlichen Standbein neben der Schweinemast zugebracht: Dem Anbau von Kartoffeln. Auf etwa 20 Hektar baut er Saat- und auf etwa fünf Hektar Speisekartoffeln der Sorte „Belana“ an. Die Saatkartoffeln vermarktet Schild an zwei große Pflanzkartoffelvertriebe. Die Speisekartoffeln gehen an eine regionale Supermarkt-Kette.

„Der Kartoffelanbau kostet viel Zeit und Kapital, bringt aber im Moment auch noch gutes Geld ein“, sagt Schild. Ohne die Erträge aus dem Kartoffelverkauf wäre es bei den derzeitigen Kilopreisen für Schweinefleisch schwierig, den Betrieb wirtschaftlich zu führen. Dieses zweite Standbein, das sein Vater und Senior-Chef Hinrich Schild bereits in den 1980er Jahren etablierte, hat den Betrieb mehrfach davor bewahrt, von der Bildfläche zu verschwinden. „Es gab aber auch schon andere Jahre, da haben die Schweine die Kartoffeln finanziert, denn der Ackerbau ist stark wetterabhängig“, erklärt Schild.

Stetig wachsender Druck

In der Landwirtschaft nur auf ein Standbein zu setzen, findet Schild auch mit Blick auf den stetig wachsenden Druck auf die deutsche Landwirtschaft riskant. Dieser Druck entsteht durch die Zwänge globalisierter Märkte, Vorgaben und Verordnungen der großen Politik und ein verändertes Essverhalten der Bevölkerung. „Wenn dieser Wirtschaftszweig einbricht, dann hat man es schwer. Überleben ist dann die Herausforderung“, meint er.

Neben Schweinemast und Kartoffeln baut der 41-Jährige Getreide und Raps als Futter für die Schweine an. „So muss ich nur Sojaschrot als Eiweißquelle zukaufen“, sagt er. Hinzu kommen ein Hofladen mit Gastronomie und Ferienwohnungen.

Die im vergangenen Jahr geernteten Saatkartoffeln hat Schild bereits im Februar und März sortiert, nun konnten sie in den vergangenen Wochen gepflanzt werden: „Weil das Frühjahr kalt und nass war, sind wir in diesem Jahr etwa 14 Tage zu spät mit der Aussaat“, sagt Schild. Ab Juni wird dann selektiert. Das bedeutet: Reihe für Reihe wird abgeschritten und die kranken Kartoffeln werden in Handarbeit entfernt. „Das kann keine Maschine“, betont Schild.

Regelmäßig kommen auch so genannte Anerkenner auf den Veredelungsbetrieb, um die Qualität und die Sortenreinheit der Kartoffeln zu prüfen. Kann der Betrieb die sehr hohen Standards nicht erfüllen, dann droht die Aberkennung. „Wir müssen also ein sehr hochwertiges Produkt erzeugen“, sagt Schild. Nur dann lohnt sich bei einer jährlich erzeugten Durchschnittsmenge von etwa 30 Tonnen Kartoffeln der Ertrag. „In anderen Gebieten erzeugen die Betriebe 80 Tonnen Kartoffeln pro Jahr – da kann die Qualität geringer sein und es lohnt sich trotzdem“, sagt Schild.


Dass an der Nordseeküste eine so hohe Qualität bei den Saat- und Speisekartoffeln erzeugt werden kann, liegt auch an der besonderen Lage: „Wir haben hier eine so genannte Gesundlage, es gibt durch die Nähe zum Meer zum Beispiel kaum Läuseeintrag“, erklärt Schild.

Kaum Zeit fürs Essen

Er hofft, dass die Kartoffel auch künftig auf dem Speiseplan steht, auch wenn der Kartoffelkonsum weiter zurückgegangenen ist: „Die Leute haben heute keine Zeit mehr – und das Kartoffelschälen dauert eben eine Weile.“

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