Kartzfehn - Erika Gracillis blühten hier einst, sogar 300 000 „Calluna vulgaris“. Neben den Heidepflanzen wurden im Jahr 120 000 Azaleen so gezüchtet, dass sie zu Weihnachten blühten. Bacopa und Lobelien kamen hinzu – Schneeflockenblumen und Männertreu.
Stefan Kruses ganzer Stolz war diese Blumenpracht. Er hatte die Klattenberg-Kulturen einst gepachtet, gab dann auf. Der inzwischen verstorbene Gärtnermeister gehörte im Betrieb in Kartzfehn eigentlich schon zum Inventar. Die „Klattenberg-Kulturen“ waren zwar lange Jahre ein wesentlicher Erwerbszweig des 1922 hier mitten im Moor angesiedelten Moorgutes Kartzfehn und hatten auch besonders bei der Rhododendren-Zucht einen bundesweit geachteten Namen, doch mit der Zeit konzentrierte sich der 450-Hektar-Betrieb doch mehr auf die Putenvermehrung und die Brütereien.
1954 hatten die Brüder Leo-Gert, Hans-Rolf und Dobimar von Kameke beschlossen, einen Gartenbaubetrieb aufzubauen, um auch Arbeitsmöglichkeiten für die früheren Mitarbeiter des Gutes in Pommern zu schaffen. Die höchste Erhebung in Petersdorf ist der Klattenberg.
12 000 Quadratmeter Glashausfläche wurden mit einem Leichtölkessel beheizt. Cyclamen – Alpenveilchen – sollten für die Samenzucht und den Topfpflanzenverkauf gezüchtet werden. Das Wasser aus dem See, der für den Bau der Korsorsstraße ausgebaggert worden war, aber war zu eisenhaltig. Die Azalee folgte. Die Gewächshäuser, auch noch für den Tabakanbau genutzt, reichten nicht mehr, es wurden Folienhäuser gebaut. Schimmel beendete in der gesamten Region den Tabakanbau.
Gerhard Boese leitete damals den Betrieb. Er war aus der DDR, wo er in Burg einen eigenen Pflanzenbaubetrieb gehabt hatte, geflüchtet. Ihm folgte Gerd Teich ab 1959 für den Grünpflanzenbereich. Er war aus Maifritzdorf/Schlesien gekommen, hatte in Ocholt gelernt und landete dann nach Wanderjahren in Kartzfehn. 1975 übernahm Teich auch die Großgärtnerei
Es wurden zeitweilig mehr als 20 verschiedene Pflanzenarten gezüchtet. Bis zu 400 000 Azaleen und 220 000 blühende und buntblättrige Topfpflanzen wurden verkauft. Goldauszeichnungen auf Gartenbauausstellungen bewiesen die Qualität. Azaleen erhielten dreimal hintereinander bei einem internationalen Wettbewerb die Höchstpunktzahl.
Auch eine Baumschule gab es dort bis 1992. 7000 Quadratmeter Hochglasfläche kamen hinzu. Diese Gewächshäuser in Doppelglasbauweise sind heute noch vorhanden. 1992 wurde die ältere Gärtnerei verpachtet. In den neuen Gewächshäusern und auf ungefähr sieben Hektar Freifläche produzierten die Klattenberg-Kulturen weiter unter der Leitung von Paul Willenbrink. Gerd Teich war 1991 ausgeschieden. Dann aber war auch hier Schluss. Der Betrieb wurde an den früheren Mitarbeiter Stefan Kruse verpachtet.
Die Familie von Kameke sucht für die sechs Gewächshäuser und die Freiflächen einen neuen Pächter. Den Eigentümern ist bewusst, dass auf einer solchen Fläche ein Gärtner den härter werdenden Wettbewerb nur schwer bestehen kann. Auch andere Nutzungsarten wären daher denkbar.
