Ganderkesee - Der Kastanie in Ganderkesee und Umgebung geht es schlecht. Diverse Bäume am Kastanienweg sowie an der Wittekindstraße mussten bereits gefällt werden, wie Uwe Nordhausen, Geschäftsführer des Kommunalservice Nordwest, berichtet. Und: „Da ist kein Ende in Sicht!“
Mit dem Problem steht der Kommunalservice nicht allein da. Auch im benachbarten Wildeshausen sowie in Oldenburg werden Hunderte Bäume gefällt werden müssen. Der Kastanie setzen gleich zwei Schädlinge mächtig zu: die Miniermotte und eine Bakterie der Spezies „Pseudomonas syringae“. Die Falter mit etwa sieben Millimetern Flügelspannweite leben etwa drei Wochen. Die Weibchen kleben bis zu 300 Eier an die Blätter. Dann schlüpfen die Larven und fressen sich unter die Blattoberhaut. Im Gewebe legen sie die „bräunlichen Minen“ (daher Miniermotte) an. Die Folge: Die Blätter verfärben sich und fallen ab.
Betroffen ist auch der Hasbruch. An der Kastanienallee zwischen dem „Schwarzen Heck“ und der Jagdhütte mussten bereits zahllose Bäume entfernt werden, berichtet Rainer Städing, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Revierförster Jens Meier und Forstwirt Jens Petermann haben mit Achtklässlern der Peter-Ustinov-Schule in Hude allein im Vorjahr 13 Rosskastanien nachgepflanzt (die NWZ berichtete). Die Allee im Hasbruch sei unter Großherzog Nikolaus Peter von Oldenburg gepflanzt worden. Einige Bäume seien bis zu 170 Jahre alt, so Meier.
Das Kastaniensterben ist auch Fachmann Uwe Heitmann vom gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Ganderkesee bestens bekannt. Auffällig an den mit Bakterien befallenen Kastanien seien einzelne „blutende“ Stellen am Hauptstamm sowie an den Ästen, die später eintrocknen. „Der Baum bekommt schwarzen Harzfluss und treibt nicht einmal mehr aus.“ Selbst junge Bestände mussten schon gefällt werden, so Heitmann unter Hinweis auf eine Kastanienallee in Bremen. Nachpflanzungen mit Rosskastanien machen aus Sicht des Experten „kaum noch Sinn“. Er bevorzuge andere Bäume wie Platane oder Feldahorn. Der Kommunalservice dagegen versucht nach den Worten Nordhausens mit Nachpflanzungen der öffentlichen Erwartung zu entsprechen – auch wenn die Erfolgsaussichten bei der Kastanie eher gering seien.
