Thüle - „13 Katzen habe ich im letzten Jahr über den Winter gebracht“, erzählt Lydia Ulrich. Die herrenlosen Tiere auf dem Thüler Campingplatz an der Talsperre Nord beschäftigen die Rentnerin bereits seit vielen Jahren. 2001 habe sie mit ihrer Schwester und der Tierschutzgruppe Wildeshausen alle streunenden Vierbeiner eingefangen und vermittelt. Aber vor drei Jahren wäre „das Elend“ zurückgekehrt. Seitdem kommt die Petersdorferin regelmäßig her, um die verwilderten Katzen mit Futter zu versorgen.
Das Problem: Wenn die Temperaturen fallen und die Urlauber den Campingplatz an der Talsperre verlassen, müssen die Tiere auf das regelmäßig gewohnte Futter verzichten. Lydia Ulrich fühlt sich verantwortlich. Gleichzeitig ärgert sie sich über mangelndes Interesse des Tierheims und der Campingplatzbetreiber.
„Eigentlich müssten die Tiere wieder alle eingefangen, sterilisiert und anschließend vermittelt werden“, sagt die 59-Jährige. Die Mithilfe einer Tierärztin wäre ihr bereits zugesagt und eine Friesoyther Katzenpension habe sich bereit erklärt, einem Teil Obhut zu gewähren. Nur einfangen könne die Petersdorferin die rund 15 Streuner nicht, erklärt sie. Lydia Ulrich fühle sich im Stich gelassen – von den Menschen, die einfach tatenlos zusehen und auch von dem Tierheim, das nichts unternehme.
Auf Nachfrage der NWZ äußerte sich das Sedelsberger Tierheim mit Bedauern: „Wir kennen die Problematik an der Talsperre, das ist jedes Jahr dasselbe. Aber wir haben nicht die finanziellen Mittel, um einzugreifen“, erklärt die Angestellte, Sabrina Böttcher. Verantwortlich für die Tiere seien diejenigen, die füttern, fährt sie fort und verweist auf Paragraf 1 zur Katzenhaltung des Landkreises Cloppenburg. Tatsächlich heißt es hier: „Als Katzenhalter oder Katzenhalterin gilt auch, wer einer freilaufenden Katze regelmäßig Futter zur Verfügung stellt.“ In diesem Fall betrifft diese Verantwortung auch die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht.
Den Tieren Essen zu geben, würde die Situation ohnehin nur verschlimmern, so Böttcher. „Umso mehr man füttert, desto stärker vermehren sich die Katzen. Zweimal im Jahr gibt es neue Welpen“, führt sie aus. Ihrer Meinung nach sollten Verbotsschilder am Campingplatz aufgestellt werden.
Dass Katzen im Winter erfrieren, habe sie bisher noch nicht gehört – Futter würden die Streuner in der Regel selbst finden. „Idealerweise müssten alle Tiere untersucht, kastriert und sterilisiert werden“, fügt sie hinzu. Das Tierheim Sedelsberg stellt freiwilligen Helfern für 50 Euro Leihgebühr Fallen zur Verfügung, mit denen wilde Katzen eingefangen werden können.
