Köln/Bremen/Oldenburg - Neustart beim Traditionswarenhaus Kaufhof: Nach dem Essener Rivalen Karstadt soll zum Monatswechsel auch die Kölner Kaufhauskette in ausländische Hände übergehen. Mit dem endgültigen Vollzug des bereits im Juni dieses Jahres vereinbarten Verkaufs soll der kanadische Handelsriese Hudson’s Bay die Regie bei dem deutschen Unternehmen übernehmen.
Zuvor war bereits der Österreicher René Benko bei Karstadt eingestiegen. Um den rund 2,8 Milliarden Euro schweren Verkauf der Metro-Tochter hatte sich Hudson’s Bay mit Karstadt-Eigner Benko zuvor ein erbittertes Bietergefecht geliefert. Mit der Entscheidung für die auf dem deutschen Markt noch weitgehend unbekannte Handelsgruppe aus Toronto hatte die Kaufhof-Mutter Metro jedoch schließlich den Weg freigemacht für den Einstieg eines neuen Spielers in der deutschen Warenhaus-Szene.
Gleichzeitig war damit das Aus für einen möglichen Zusammenschluss der beiden Konkurrenten Karstadt und Kaufhof zu einer deutschen Warenhaus AG zunächst einmal besiegelt worden. Bei der Benko-Holding Signa beklagte man den Verlust einer „historischen Chance“.
Hudson’s Bay übernimmt rund 21 500 Kaufhof-Mitarbeiter und derzeit noch 102 Waren- und 16 Sporthäuser in Deutschland (darunter in Oldenburg und Bremen) sowie 16 weitere Standorte in Belgien. Damit will die kanadische Kette künftig über 400 Kaufhäuser betreiben und fast ein Drittel des Umsatzes in Deutschland erzielen.
Befürchtungen über mögliche Stellenstreichungen und Filialschließungen war Hudson’s-Bay-Spitzenmanager Jerry Storch sofort nach Bekanntwerden des Geschäfts eilig entgegengetreten. Eine vereinbarte Job- und Standortgarantie soll zunächst für drei Jahre gelten. Ausgenommen davon sind jedoch noch von Metro verkündete Schließungen.
Mit welchem Konzept die Kanadier in dem ebenso hart umkämpften wie schwierigen deutschen Warenhausmarkt punkten wollen, ist unklar.
In einer im Intranet veröffentlichten Stellungnahme versuchte Kaufhof-Chef Oliver Van den Bossche nun kurz vor dem Vollzug der Übernahme noch einmal mögliche Befürchtungen zu zerstreuen. Der neue Eigentümer verfolge das Ziel, das Geschäft wachsen zu lassen, versicherte der Kaufhof-Chef. „Wir werden von Investitionen ebenso profitieren wie von hervorragenden Marken und den Erfahrungen im Online-Geschäft“, versprach er seinen Mitarbeitern. Zu Befürchtungen, dass die Mieten für die Warenhaus-Immobilien steigen könnten, wollte er zunächst keine Stellung nehmen. Ein Großteil dieser Mietzahlungen fließe ohnehin zurück ins operative Warenhausgeschäft, hieß es.
Für das deutsche Warenhausgeschäft bleibt die Zukunft ungewiss. Handelsexperten rechnen schon seit längerem mit einer Bereinigung des Marktes. Prognosen zufolge könnte nur etwa jedes dritte Warenhaus überleben. Bei 180 Standorten von Kaufhof und Karstadt würde das 60 bis 70 Häuser bedeuten, hat der Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms vorhergesagt.
